Im Test: Cowboy, das E-Bike mit smarten Features zum günstigen Preis

Nur wenige andere Urban Bike-Neuheiten haben in diesem Jahr für so viel Wirbel gesorgt wie das Cowboy Bike. Zu sehen war das Rad schon auf der Fahrradmesse Eurobike 2017, wo der Neuling gleich den prestigeträchtigen Eurobike Award einheimste. Inzwischen ist das Rad fertig entwickelt und kann regulär über die Website von Cowboy bestellt werden.

Komplett schwarz mit minimalistischem Design

Besonders interessant wird das Rad durch einige außergewöhnliche Features. Zunächst kann man den herausnehmbaren Akku nennen, welcher von hinten am Sitzrohr angedockt ist und das Rücklicht beherbergt. Zum Vergleich: Bei fast allen anderen elektrischen Urban Bikes sitzt der Akku im Unterrohr und ist meist nicht herausnehmbar (wodurch das Rad zum aufladen an die nächste Steckdose gebracht werden muss). Das erwähnte Rücklicht ergänzt das vordere Licht, welches im Rahmen integriert ist – auch dies ist eine außergewöhnliche Lösung, die man sonst nur von Vanmoof kennt. Wie einige andere Modelle ist auch das Cowboy als Singlespeed-Rad ohne Gangschaltung und mit Zahnriemen konzipiert. Die Umsetzung mit einem riesigen Kettenblatt mit 68 Zähnen ist jedoch Novum und Blickfang zugleich. Von außen unsichtbar ist hingegen das GPS-Modul, wodurch sich der Standort des Rads stets nachverfolgen lässt. Dies geschieht mit der eigenen Cowboy-App, welche tief mit dem Rad verzahnt ist – was sogar soweit geht, dass sich der Motor nur via Smartphone aktivieren lässt. Letztlich sorgt auch der Preis des Rads für Aufsehen: Für 1.990 lässt sich der Cowboy online bestellen – für ein Rad mit diesen Features fast schon ein Schnäppchen. Ob die hohen Erwartungen auch in der Praxis erfüllt werden, soll dieser Test zeigen.

Zunächst sei noch erwähnt, dass das hier getestete Modell einer 2018er Version entspricht. Die Unterschiede zum aktuellen Modell sind aber gering und betreffen hauptsächlich die Bereifung und den Akku (dieser hat bei den 2019er Modellen eine höhere Kapazität). Die Abdeckung der Akku-Anzeige am Oberrohr ist bei den 2019er Modellen matt statt hochglänzend.

Design

Die schon erwähnten Eigenheiten des Cowboy spiegeln sich auch im Design des Rads wieder: So ist das Sattelrohr aufgrund des integrierten Akkus zwangsläufig deutlich voluminöser als man es von herkömmlichen Rädern kennt. Dies sieht zwar auf den ersten Blick etwas ungewohnt aus, allerdings passt es dann doch ganz gut – denn durch die nach vorne schmal zulaufende Form wirkt dieser Bereich nicht übertrieben dick. Optisch ergibt sich zudem eine Parallele zum Steuerrohr mit der sportlich-geraden Gabel.

Die eher sportliche Ausrichtung des Cowboy zeigt sich neben dem riesigen Kettenblatt des Singlespeed-Antriebs auch am Lenker, welcher mit rund 55 cm auch verhältnismäßig schmal ist. Vertikal ist die integrierte Beleuchtung vorne und hinten angeordnet, im ausgeschalteten Zustand sind die beiden Lichter nur als weiße Elemente wahrnehmbar. Der Rest des Rads ist komplett in schwarz gehalten, was dem Cowboy einen minimalistischen und ziemlich radikalen Charakter verleiht. Abgesehen vom Cowboy-Schriftzug am Oberrohr ist das Rad auch frei von weiteren Schriftzügen und Logos, was den cleanen Look nochmals verstärkt.

Weiteres interessantes Detail ist das LED-Element auf dem Oberrohr und die Sattelklemme. Was auf den ersten Blick aber nach einem hochmodernen Bedienelement aussieht entpuppt sich jedoch schlicht als Abdeckung von fünf LEDs, welche die Kapazität des Akkus anzeigen.

Ausstattung

Wie die meisten Urban E-Bikes dieser Gattung ist auch der Cowboy mit einem Nabenmotor im Hinterrad ausgestattet. Dieser leistet bei 36V die Pedelec-üblichen 250W Dauerleistung und hat ein Drehmoment von maximal 30 Nm. Die Steuerung erfolgt über einen Drehmomentsensor, welcher für ein möglichst natürliches Fahrgefühl sorgen soll. Tritt man stark in die Pedale, erhält man viel Unterstützung vom Motor; tritt man hingegen nur schwach, hält sich der Motor ebenso zurück. Die Kraftübertragung erfolgt über einen Zahnriemen-System, dessen Hersteller von Cowboy nicht näher genannt wird. Hier kommt also nicht der fast schon zum Industriestandard gewachsene Gates Carbon Drive zum Einsatz. Die Übersetzung ist dabei mit 68 Zähnen vorne und 22 Zähnen hinten ziemlich lang und auf eine hohe Endgeschwindigkeit ausgelegt. Gabel und Rahmen des Rads sind aus Aluminium gefertigt, das Gewicht liegt laut Hersteller bei relativ leichten 16,1 kg (das Testrad wog 16,5 kg, die Differenz liegt eventuell an der unterschiedlichen Bereifung).

Der herausnehmbare Akku hat eine Kapazität von 360Wh und nutzt einen relativ neuen Zelltyp im Format 21700. Die Reichweite soll je nach Fahrweise bis zu 70 km betragen, eine vollständige Akkuladung dauert 3,5 Stunden. Der Akku ist über ein integriertes Schloss verriegelbar, was dessen Diebstahl unterbinden soll.

Beim 2019er Modell kommen 42 mm breite Panaracer Gravelking-Reifen im 27,5″ Format zum Einsatz. Für Verzögerung sorgen die hydraulischen Bremsen von Tektro, vorne und hinten jeweils mit einer 160 mm großen Bremsscheibe. Eine Klingel sucht man ebenso vergebens wie Schutzbleche, Fahrradständer oder einen Gepäckträger.

Bedienung

Wie erwähnt setzt man bei Cowboy voll und ganz auf die Konnektivität mit dem Smartphone. Das geht soweit, dass sich die elektrische Unterstützung erst gar nicht ohne App aktivieren lässt – was auch bedeutet, dass das Rad ganz ohne Schalter auskommt. Der Verzicht auf eine Gangschaltung macht dieses minimalistische Bedienkonzept perfekt: Aufsteigen und losfahren lautet die Devise, ganz ohne weitere Einstellungen – abgesehen von den Bremsen, die man zum Glück wie gewohnt benutzt. Zum Akku sei noch gesagt, dass dieser nur im entnommenen Zustand aufgeladen werden kann. Das Ladegerät lässt sich also nicht direkt ans Fahrrad anschliessen, was auch kein wirkliches Problem ist – kann der Akku doch sehr einfach noch oben aus dem Rahmen herausgenommen werden.

Alle Einstellungen werden in der Cowboy-App vollzogen, wo sich das Rad ein- und ausschalten lässt, der Motor aktiviert wird und die Beleuchtung eingeschaltet werden kann. Zudem zeigt die App den Standort des Rads per GPS-Ortung an, wofür ein GPS-Modul im Rad verbaut ist (für dieses fallen übrigens keine laufenden Kosten an). Passend dazu kann man sich via App navigieren lassen, zudem wird jede Fahrt aufgezeichnet und übersichtlich mit Fahrstrecke, Dauer und Zeit dargestellt. Dass das Ganze auch noch schön gestaltet und einfach zu bedienen ist, vervollständigt den überaus positiven Eindruck der App.

Eine Besonderheit bietet die App bei der Begrenzung der elektrischen Unterstützung: Den Pedelec-Richtlinien zufolge muss der Motor ab einer Geschwindigkeit von 25 km/h abschalten. In der App gibt es aber eine Option namens „Offroad-Modus”, bei der die Unterstützung bis 30 km/h aktiviert werden kann – natürlich mit dem Hinweis, dass dies nur auf Privatgelände und nicht im Straßenverkehr geschehen darf. Hier bleibt abzuwarten, wie lange diese Funktion verfügbar bleibt. Ähnliches gab es bei Coboc und Ampler auch schon zu sehen, wurde dann aber mit wachsender Popularität und ggf. auf Druck von außen hin entfernt.

Screens der Cowboy-App

Fahreindruck

Eine neue Fahrradmarke, die ungewöhnliche Übersetzung und ein namenloser Zahnriemen – es war durchaus spannend, mit dem Cowboy-Bike auf erste Testfahrt zu gehen. Wobei sich in Sachen „Spannung“ erstmal Ernüchterung zeigt: Den ersten kräftigen Antritt am Berg quittierte der Zahnriemen mit einem lauten Knacks, vermutlich weil er aufgrund zu geringer Spannung durchgerutscht war. Wodurch diese zu geringe Spannung zustande kam, lässt sich nicht klären – allerdings ist dies kein grundsätzliches Problem und auch bei anderen Riemenmodellen muss man ggf. die Spannung nachjustieren. Diesen Vorgang hat Cowboy auch hier dokumentiert. Im weiteren Verlauf der Testfahrt trat das Problem jedoch nicht weiter in Erscheinung (wenn man es nicht bewusst provozierte) und der Riemen verhielt sich so, wie man es erwartet: geräuschlos! Bei dieser Stille werden dann allerdings andere Kleinigkeiten umso schneller wahrgenommen: So hatten die Bremshebel von Tektro minimales Spiel, was sich durch leichtes Klappern bemerkbar machte. Und auch vom Sattelgestell war bei Unebenheiten ein leichtes Klacken zu hören.

Absolut geräuschlos arbeitet hingegen der Motor, der zu den leisesten Vertretern seiner Gattung gehört – und zwar auch dann, wenn es stark bergauf ging. Diese Disziplin stellt für Singlespeed-Räder ohnehin eine Herausforderung dar, zumal mit der verbauten 68/22-Übersetzung. Doch zur Überraschung meistert der Cowboy auch Anstiege recht souverän und man fragt sich, wo diese Power aus dem 250 Watt-Motor herkommt. Im Ebenen macht sich die sportlich schnelle Übersetzung dann in vergleichsweise hohen Endgeschwindigkeiten bemerkbar, ohne dass man dabei eine zu schnelle Trittfrequenz erreicht. Nach der 25 km/h-Marke stellt der Motor recht direkt seinen Dienst ein und man spürt die Kraft des Gegenwinds – allerdings lässt sich durchaus nach Kräften die Geschwindigkeit halten bzw. steigern. Im angesprochenen „Offroad-Modus” spürt man dann die Unterstützung bis 30 km/h und kommt mit genug Eigenleistung auch auf Geschwindigkeiten jenseits dieser Marke; wobei dann auch die Trittfrequenz ziemlich schnell wird.

Das Fahrverhalten des Rads ist sehr agil, wozu neben dem vergleichsweise geringen Gewicht auch der relativ schmale Lenker beträgt: Dieser ist rund 55 cm breit und verlangt vielen eine kurze Eingewöhnung ab. Doch letztlich ist er durchaus ausreichend breit und bringt im Stadtverkehr mit teils schmalen Gassen auch echte Vorteile. Rahmen und Gabel sind, typisch für Aluminium, ziemlich hart. Am Testrad waren zudem 35 mm schmale Schwalbe G-One-Reifen mit Noppen verbaut, welche auch nicht zu mehr Komfort beigetragen haben. Allerdings sind am 2019er Cowboy ja 42 mm breite Reifen montiert, die vielleicht mehr Unebenheiten abfedern. Aktuell ist das Cowboy nur in einer Rahmengröße „M-L“ lieferbar, die Fahrerinnen und Fahrern zwischen 170 und 195 cm Körpergröße passen soll. Mit 185 cm liege ich ziemlich in der Mitte dieses Spektrums und der Rahmen passte gut.

Die Bedienung der App an sich funktioniert problemlos und macht Spaß. Dass man aber das Smartphone jedes mal zum starten des Rads zücken muss, ist doch etwas ungewohnt. Dies trifft ebenso auf die Licht-Funktion zu, die auch in der App aktiviert werden muss. Hier wünscht man sich dann doch einen realen Knopf, mit dem man das Rad einschalten kann. Oder als Alternative die feste Integration eines Smartphone-Halters am Lenker bzw. Vorbau. Wenn das Smartphone schon eine solch zentrale Rolle spielt, wäre dies eine konsequente Einbindung.

Zum Licht gibt es noch weitere Anmerkungen: Zunächst ist es löblich, dass man sich dem Thema gewidmet hat und auch eine stimmige Integration im Rahmen erreichte. Und tatsächlich leuchten die Lichter auch überraschend hell und sind sicherlich nützlich, um gesehen zu werden. Allerdings trifft dies nur von vorne und hinten zu, von der Seite erkennt man von beiden Lichtern leider nichts. Ebenso ist das vordere Licht mehr Strahler als Scheinwerfer: Hier wird nicht gezielt die Fahrbahn ausgeleuchtet, zudem lenkt der Lichtkegel konstruktionsbedingt nicht in die Kurze sondern stur geradeaus. Wer also Wert auf eine Lichtanlage legt, mit der man selbst gut vorausschauen kann, muss diese zumindest vorne separat nachrüsten.

Fazit

Das Cowboy Bike legt einen ziemlich starken Start hin: Das Rad bietet viele innovative Funktionen, sieht gut aus und funktionierte im Test – abgesehen von der angesprochenen Riemenspannung – tadellos. Wie sich der Zahnriemen über einen längeren Zeitraum schlägt, bleibt hingegen abzuwarten. Allerdings sollte man davon ausgehen, dass Cowboy dies vorab erfolgreich getestet hat. Der Antrieb selbst leistet gute Unterstützung und konnte für ein Singlespeed-Rad auch an Anstiegen gut mithalten. Die Konnektivität ist hervorragend gelöst und der integrierte GPS-Sensor mindert den Schrecken vor einem Diebstahl – kann das Rad doch jederzeit geortet werden. Der entnehmbare Akku bietet nicht nur all denen einen Komfortgewinn, die ansonsten das ganze Rad in die Wohnung bzw. zur Steckdose tragen müssten und die integrierte Lichtanlage hilft zumindest, mit dem Rad gesehen zu werden.

Fehlt noch eine Angabe, nämlich der Preis: Für 1.990 Euro lässt sich das Rad online bei Cowboy erwerben – und zwar ausschließlich online. Dank der Direktvermarktung ist dieser vergleichsweise günstige Preis realisierbar, der fast alle anderen Singlespeed E-Bikes unterbietet. Wer mit dieser Antriebsart klarkommt oder eh nur wenige Gänge nutzt, sollte sich das Rad unbedingt genauer anschauen. In Kauf nehmen muss man die Einheitsgröße des Rahmens und fehlende Optionen wie ein passender Gepäckträger oder Schutzbleche (wobei dem Vernehmen nach hierzu schon an einer Lösung gearbeitet wird).

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