Zeigt Größe in allen Belangen: Das Cannondale Canvas Neo 1 im Test

Der neueste und stärkste Bosch-Antrieb. Die Möglichkeit, zwei Akkus gleichzeitig zu betreiben. Große 29 Zoll Räder mit fetter Bereifung. Schutzbleche, Lichtanlage, Gepäckträger. Das neue Cannondale Canvas Neo 1 strotzt geradezu vor Features und sollte – so zumindest die Theorie – für praktische jede Aufgabe gewappnet sein. Ob sich diese Vermutung auch in der Realität bewahrheitet, soll sich in diesem Test zeigen.

Stimmiges Design mit vielen integrierten Details

Design

Dieses Bike bringt einen dazu, viele Vorurteile über Bord zu werfen. Wenn im Datenblatt vom starken Bosch Mittelmotor, einer dualen Akku-Nutzung, fetter Bereifung und Gepäckträger zu lesen ist, dachte man bisher an einen praktischen Lastesel – kaum jedoch ein recht cleanes Urban Bike, das auch in Sachen Design punkten kann. Eben dieses Kunststück ist Cannondale mit dem neuen Canvas Neo 1 jedoch gelungen!

Das Rad wirkt wie aus einem Guss, die Lichtanlage ist unauffällig integriert, ebenso der minimalistische Gepäckhalter am Schutzblech. Zugute kommt dem Ganzen auch die neueste Generation des Bosch-Antriebs: so ist das Gehäuse des verbauten Performance Line CX-Motors im Vergleich zum Vorgänger deutlich geschrumpft, die Integration in den Rahmen lässt sich dadurch viel unauffälliger realisieren.

Der Rahmen selbst ist aus Aluminium gefertigt, die sportlich gerade Gabel hingegen aus leichtem Carbon. Im Zusammenspiel ergibt sich so ein langer Radstand und mit dem recht stark abfallenden Oberrohr bekommt das Rad einen ganz eigenständigen Look. Vervollständigt wir dieser von der komplett schwarzen Lackierung des Rads: Rahmen und Gabel haben jedoch ein hochglänzendes Finish, die übrigen Anbauteile sind matt gehalten. Als cleveres Detail erweisen sich diverse reflektierende Sticker am Rad, welche im Dunkeln für mehr Sicherheit sorgen sollen.

Ausstattung

Wie schon erwähnt ist in Cannondales Canvas Neo 1 der brandneue Performance Line CX-Motor von Bosch verbaut. Das kraftvolle 2020er Modell bietet satte 75 Nm Drehmoment und bis zu 340% Unterstützung – damit zählt der Motor zu den stärksten derzeit erhältlichen Antrieben. Für ausreichend Ausdauer sorgt der im Unterrohr verbaute Bosch PowerTube-Akku mit einer Kapazität von 500 Wh. Interessantes Zusatz-Feature des Neo 1 ist die Möglichkeit, parallel zum integrierten Akku einen zweiten Akku zu nutzen: hierzu kann ein Modell der Boschs PowerPack-Serie mit ebenfalls bis zu 500 Wh an die Oberseite des Unterrohrs angedockt werden. Damit stehen dann bis zu 1 KWh Kapazität zur Verfügung! Komplettiert wird das Bosch-System mit dem Purion-Display am Lenker. Optisch zwar schon etwas in die Jahre gekommen, ist es jedoch noch nach wie vor angenehm funktional und kompakt.

Riesig wirken hingegen die am Canvas Neo 1 verbauten Reifen vom Typ Schwalbe G-One Speed Performance in der Größe 29 x 2.35″. Nur logisch, dass auch die Schutzbleche von Wingee mit 62 mm beachtlich breit sind. Am hinteren Schutzblech sind neben dem hellen Rücklicht von Supernova auch beidseitig Gepäckhalter montiert, an denen den sich Taschen von jeweils bis zu 8 kg Gewicht einhängen lassen (insgesamt ist das Rad übrigens für ein Gesamtgewicht von 150 kg inkl. FahrerIn zugelassen).

Am 74 cm breiten Lenker finden sich neben dem angesprochenen Purion-Display noch folgende Komponenten: Mittig ist der äußerst kompakte und dabei trotzdem sehr helle Mini 2-Scheinwerfer von Supernova montiert, von Shimano stammen die Bremshebel der hydraulischen Scheibenbremsen vom Typ MT200. Komplettiert wird das Ensemble vom Schalthebel der 10 Gang-Kettenschaltung, ebenfalls von Shimano aus der Deore-Serie. Seitenständer, Klingel und der Cannondale Ergo Urban-Sattel runden schlussendlich die alltagstaugliche Commuter-Ausstattung ab.

Bedienung

Die elektrischen Komponenten des Neo 1 werden zentral über das kompakte Purion-Display gesteuert: mit zwei Tasten lässt sich zwischen den verschiedenen Fahrmodi durchschalten, ebenso wird hier das Licht ein- und ausgeschaltet. Das Display selbst gibt Auskunft über die aktuelle Geschwindigkeit, gefahrene Strecke und den Akkustand, welcher in 20%-Schritten dargestellt wird. Nicht mehr, und nicht weniger – doch ist es gerade diese Reduktion auf die essentiellen Funktionen, welche die Bedienung des Systems kinderleicht machen.

Im Lieferumfang befindet sich der Bosch Standard Charger – ein Ladegerät, welches den entleerten PowerTube 500-Akku in rund 4,5 Stunden wieder voll aufladen kann. Dies kann wahlweise mit eingebautem Akku im Rahmen oder im entnommen Zustand geschehen. Für Letzteres muss der Akku dann am integrierten Akkuschloss entriegelt werden, welches als Diebstahlschutz dient.

Komplett ausgestattet: das Cannondale Canvas Neo 1

Fahreindruck

Dass sich ein Rad dieser Größe und mit einer solch umfangreichen Ausstattung fast schon leichtfüßig bewegen lässt, würde man kaum vermuten. Doch genau dies ist beim Canvas Neo 1 der Fall, das Bike fährt sich ziemlich direkt und agil. Einer der Gründe dafür ist das relativ leichte Gewicht, welches Cannondale mit 19,9 kg angibt – ein sehr guter Wert angesichts der verbauten Komponenten. Des weiteren sorgt natürlich der bärenstarke Performance Line CX-Motor für Power im Überfluss: so reichte es im Test meistens vollkommen aus, in den schwächeren Fahrmodi unterwegs zu sein – auch hier bot der Motor genug Unterstützung.

Da aber Leistung nicht alles ist, müssen hier auch zwei Punkte angesprochen werden, welche dem Vorgängermodell dieses Motors angekreidet wurden. So bemerkt man beim Fahren des neuen 2020er CX-Motors kaum, wenn die 25 km/h Schwelle überschritten wird. Der Motor entkoppelt voll und das Rad lässt sich nach eigenen Kräften weiter beschleunigen – Geschwindigkeiten im Bereich um die 30 km/h waren im Test schnell erreicht. Beim Vorgängermotor fühlte es sich für viele FahrerInnen hingegen an, als würde einen der Motor ab 25 km/h geradezu einbremsen. Zweiter Kritikpunkt war die Lautstärke des alten CX-Motors. Auch hier gibt es beim 2020er Modell eine Verbesserung: der Motor ist nun leiser – aber immer noch zu hören. Ein eintöniges Summen, das nicht sonderlich stört (was natürlich subjektiv ist). Mit dem fast lautlosen Bosch Active Line Plus-Antrieb oder dem Nabenmotor von Mahle ebikemotion kann es der CX-Motor in diesem Bereich weiterhin nicht aufnehmen. Recht laut sind zudem die Schaltvorgänge, insbesondere unter Last – auch hier macht sich die Kraft des Motors bemerkbar. Wer die Komponenten schonen will, sollte beim Schaltvorgang also besser nicht voll in die Pedale treten.

Unabhängig vom Antrieb bietet das Canvas Neo 1 bedingt durch den langen Radstand und die großen Räder viel Laufruhe. Die breite Bereifung lässt einen lässig über fast alles hinweg rollen und federt dabei (mit passendem Luftdruck) Stöße und Unebenheiten ausreichend ab. Selbst in solchen Situationen klappert übrigens nichts am Rad: Die Anbauteile sind allesamt passend dimensioniert und stabil befestigt. Insbesondere die massiven Aluminium-Schutzbleche von Wingee vermitteln dabei den Eindruck, für die Ewigkeit geschaffen zu sein.

Unauffällig aber funktional zeigen sich die Shimano-Komponenten: Die Deore-Schaltung verrichtet präzise ihren Dienst, die zehn Gänge sind schon fast mehr als nötig – dank des starken Motors lässt sich selbst im höchsten Gang problemlos anfahren. Die hydraulischen Bremsen sind vorne wie hinten mit jeweils 180 mm großen Bremsscheiben ausgestattet, was für Urban Bikes recht groß dimensioniert ist und auf eine hohe Standfestigkeit hindeutet.

Fazit

Ein E-Bike, das Eindruck hinterlässt – und zwar nicht nur aufgrund seiner Größe mit fetter Bereifung und langem Radstand. Auch die komplette Ausstattung mit dem starken Motor und den hochwertigen Anbauteilen machen nur einen Teil des Ganzen aus. Vielmehr ist es genau das Gesamtpaket, welches am Canvas Neo 1 überzeugt. Ein alltagstaugliches, solide verarbeitetes und zudem – gemessen an der umfangreichen Ausstattung – relativ leichtes Rad, an dem man kaum etwas zu tadeln findet. Nicht nur für anspruchsvolle Pendler, die auch abseits gut geteerter Wege unterwegs sind, ist dieses Rad daher eine interessante Option. Der Preis des Ganzen ist mit 3.799 Euro zwar nicht niedrig, aber durchaus preiswert wie ein Blick auf ähnlich ausgestattete Konkurrenzmodelle zeigt.

Das Canvas Neo 1 ist in vier Größenerhältlich, zudem steht mit der Remixte-Variante auch ein Modell für niedrigen und komfortableren Einstieg zur Auswahl. Hierbei fällt allerdings die Option zur Nutzung eines zweiten Akkupacks weg, da es schlicht keinen Platz mehr dafür im Rahmendreieck gibt. Preislich etwas günstiger kommt man übrigens mit dem Canvans Neo 2 für 3.399 Euro weg. Die Ausstattung ist hierbei etwas einfacher, als Motor kommt der Active Line Plus-Motor zum Einsatz und auch die Rahmengeometrie ist mit einem noch längeren Radstand leicht abweichend. Alle Informationen zu den elektrischen Urban Bike-Modellen finden sich auf der Website von Cannondale.

Share on facebook
Facebook
Share on twitter
Twitter
Share on pinterest
Pinterest
Share on email
Email
Share on whatsapp
WhatsApp

Werbung

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Partnerlinks

Dieser Artkel enthält Partnerlinks zu Webshops. Sollte es über einen dieser Links zu einem Verkauf kommen, erhalten wir eine kleine Provision. Diese hilft bei der Finanzierung dieser Website. Für den Käufer entstehen dabei keine Nachteile oder Mehrkosten!