Im Test: Das Geos E-Bike mit Stahlrahmen, Zahnriemen und Pinion-Getriebe

Seit gut einem Jahr ist das E-Bike von Geos erhältlich. Gestartet war man mit einem puristischen Singlespeed-Rad, dann kam eine Variante mit Kettenschaltung hinzu und nun, als drittes und krönendes Modell, das Geos mit dem Tretlagergetriebe von Pinion! Im Zusammenspiel mit dem außergewöhnlichen Stahlrahmen, einem unsichtbaren E-Antrieb und sorgsam ausgewählten Komponenten ergibt sich so ein wirklich außergewöhnliches Urban Bike. Wie sich dieses im Einsatz schlägt, soll dieser Test zeigen.

Manege frei für das neue Geos mit Pinion-Getriebe

Design

Herzstück des Geos ist natürlich der Stahlrahmen – ein klassisches Rahmenmaterial mit langer Tradition, welches inzwischen aber nur noch ein Nischendasein führt. Zwar ist es schwerer als Aluminium oder gar Carbon, doch bietet es auch einige Vorteile: So sagt man dem Stahlrahmen nach, dass er aufgrund des nachgiebigeren Werkstoffs komfortabler zu fahren sei; zudem lässt sich ein solcher Rahmen auch relativ einfach wieder reparieren und letztlich sehen Stahlrahmen durch ihre meist filigranen Rohre auch meist sehr elegant aus.

Auch das Geos macht hierbei keine Ausnahme, wobei die Rohre am Ober- und Unterrohr durch ihre dreieckige Form zusätzlich auffallen. Diese Form dient nicht nur dem Look, schließlich sieht die Bildmarke des Geos-Logos genauso aus – vielmehr entspricht die Form auch der Anordnung der Akkuzellen im Inneren der Rohre. So hat das Geos tatsächlich zwei Akku-Einheiten, welche sich in eben diesen beiden Rohren verbergen. Und letztlich mündet das Oberrohr auch noch an beiden Enden in einem ebenso geformten Tagfahrlicht und Rücklicht. Form follows function!

Die Oberfläche des Rahmens ist mit einer harten und korrosionsbeständigen Beschichtung aus Nickel versehen. Optisch ergibt sich dadurch ein metallischer Look, der dabei aber warm und angenehm wirkt. Kleine Details wie die im Oberrohr integrierte Sattelklemme oder das zurückhaltende Logodesign am Unterrohr vervollständigen den Rahmen.

Kontrastierend zum hellen Rahmen sind alle anderen Bauteile in mattem Schwarz gehalten. Die Betonung liegt hier auf komplett, denn es ist wirklich penibel darauf geachtet worden: So wurden zum Beispiel die Kurbeln von Pinion eigens unbedruckt produziert, im Regelfall sind diese mit einem fetten, weißen Schriftzug „verziert”. Darüber hinaus sind viele Komponenten speziell für das Geos konstruiert, unter anderem der Gepäckträger hinten, der neue Frontgepäckträger oder die elegante Lenker-Vorbau-Einheit. Geschickt bilden all die schwarzen Komponenten zusammen mit der Carbon-Gabel eine optische Einheit, treten aber in den Hintergrund und lenken das Augenmerk ganz auf den hellen Rahmen. So hat man hier ein optisch cleanes Bike vor sich, das aber trotzdem eine komplette und alltagstaugliche Commuter-Ausstattung mitbringt.

Cleane Erscheinung trotz kompletter Ausstattung

Ausstattung

Das Geos gehört wie inzwischen zahlreiche Mitbewerber zu den minimalistischen E-Bikes, die mit einem 250 Watt-Nabenmotor im Hinterrad ausgestattet sind und den Akku diskret im Rahmen verbaut haben. Und trotzdem gibt es einige Besonderheiten: Zunächst sei auf die Steuerung des Antriebs per Drehmoment-Messung verwiesen: Diese folgt dem Prinzip, dass die Unterstützung des Motors auf die Stärke der Trittkraft des Fahrers angepasst wird – so ergibt sich ein besonders natürliches Fahrgefühl. Meist sitzt der entsprechende Sensor dafür im Tretlager, aufgrund des Pinion-Getriebes ist im Geos dort aber kein Platz. Die Messung erfolgt daher direkt am Motor. Stichwort Pinion-Getriebe: Im Testrad war das Modell mit 12-Gängen verbaut, optional lässt sich das Rad auch mit 6 Gängen konfigurieren – jeweils aus der günstigeren und leichteren C-Line von Pinion. Komplettiert wird der Antrieb vom Zahnriemen Gates Carbon Drive. Bei den Bremsen kommen hydraulische Scheibenbremsen von Magura zum Einsatz: vorne die Magura MT5 mit vier Kolben, hinten die MT4 mit zwei Kolben. Zwar ist der Akku wie erwähnt sowohl im Oberrohr als auch im Unterrohr verbaut, bietet aber mit 372 Wh nicht außergewöhnlich mehr Kapazität als in ähnlich konzipierten Bikes der Mitbewerber. Trotzdem aber ein guter Wert dafür, dass man den Akku nicht sieht!

Als Sattel kommt der Brooks Cambium in seiner All Weather-Ausführung zum Einsatz, als Griffe werden Silikongriffe verbaut und die 50 mm breiten Reifen vom Typ Conti Contact Speed sollen für genügend Fahrkomfort sorgen. Die komplette Commuter-Ausstattung am Testrad wurde ja schon angesprochen, sei der Form halber aber nochmals erwähnt: Schutzbleche, Gepäckträger vorne und hinten, integriertes Rücklicht und ein Tagfahrlicht vorne – leider taugt dies nur um gesehen zu werden, als „richtiger” Scheinwerfer lässt sich optional ein Modell von Supernova am Lenker verbauen.

Grundsätzlich lässt sich am Geos weitgehend alles konfigurieren. Hier wurde die Maximalausstattung getestet, es wäre aber auch ein puristisches Pinion-Modell ganz ohne weitere Anbauteile wie Schutzbleche und Gepäckträger möglich.

Bedienung

Wie bei vielen minimalistischen E-Bikes üblich, verzichtet auch das Geos auf ein Display und störend große Bedienelemente – stattdessen erfolgt die elektrische Steuerung über einen kleinen, unauffälligen Taster am Lenker. Mit diesem schaltet man den Antrieb ein, mit einem zweiten Druck lässt sich der Fahrmodus ändern. Hier kann zwischen in zwei Stufen gewechselt werden, wie stark das System den Fahrer unterstützen soll. Per App lassen sich hierzu via Bluetooth die Modi nach eigenen Vorlieben anpassen.

Doch warten auch einige Überraschungen auf den Nutzer: So könnte die Suche nach der Ladebuchse für Unwissende frustrierend ausfallen – es findet sich schlicht keine solche Buchse am Rad. Der Clou: Das Rücklicht hält magnetisch am Rahmen (Stahl sei Dank) und lässt sich einfach abziehen. Darunter versteckt sich dann die Ladebuchse, welche ganz passend mit einem magnetischen Stecker vom Ladegerät verbunden wird. Der Anzeige des Akkustands erfolgt am Tagfahrlicht vorne: Dessen Lichtstreifen wird zu einem Fortschrittsbalken, der mit steigender Akkuladung immer voller leuchtet.

Sind einem diese Eigenheiten einmal bekannt, hat man mit dem Geos ein kinderleicht zu bedienendes Bike. Gleiches trifft übrigens auch auf die Bedienung des Pinion-Getriebes zu: Per Drehgriff am rechten Lenker lassen sich die Gänge von eins bis zwölf unkompliziert und mühelos durchschalten.

Fahreigenschaften

In Sachen Fahreigenschaften sind zwei Dinge gleich beim Start aufgefallen: Zum einen die bequeme Sitzposition auf dem Rad, zum anderen die gefühlt sanfte Unterstützung des Antriebs.

Fangen wir gleich mit dem Antrieb an. Tatsächlich ist die Steuerung des Motors sehr harmonisch und das Geos ist beileibe kein Proll mit der Absicht, schon beim ersten Anrollen mit den Muskeln zu spielen. Doch leistet der Motor eben auch nur die Unterstützung, die wirklich vom Fahrer abgerufen wird. Und hier kommt das Pinion-Getriebe ins Spiel: Die 12 Gänge bieten eine riesige Gesamtübersetzung von 600 Prozent, was kaum eine Kettenschaltung abbilden kann. Wählt man nun zunächst aus Unwissenheit zu kleine Gänge, fällt einem das Treten entsprechend leicht und es wird nur wenig Motorleistung abgerufen. Hat man sich aber erst einmal an das große Gesamtspektrum der Schaltung gewöhnt, gibt es kein Halten mehr: So lässt man in der Ebene die 25 km/h trotz der gesetzlichen Motorabschaltung locker hinter sich, hat am Berg aber immer noch genug Reserven für sehr steile Abschnitte! Im Zusammenspiel mit der feinfühligen Drehmoment-Sensorik ergibt sich eine Win-win-Situation, die dem perfekten Bike sehr nahe kommt. Völlig angemessen ist dabei auch der Zahnriemen von Gates, der der sich als perfekter Kompagnon zum lautlosen Motor erweist: Abgesehen vom Abrollgeräusch der Reifen ist kaum etwas vom Antrieb des Rads zu hören.

Die eingangs erwähnte Sitzposition ist tatsächlich bequemer, als man von diesem tendenziell eher sportlichen Bike erwarten mag: So ermöglicht die integrierte Lenker-Vorbau-Einheit mit ihrem Riser-Lenker eine nicht zu gestreckte Sitzposition, zudem sind sowohl der All Weather-Sattel von Brooks als auch die Silikongriffe am Lenker sehr bequem. Komplettiert wird der Komfort durch die breiten Reifen, welche sich auch mit entsprechend geringem Luftdruck fahren lassen und kleine Stöße und Unebenheiten sehr gut glattbügeln. Zu den agilen Fahreigenschaften trägt auch das Gewicht des Rads bei: 17,7 kg sind für die getestete Konfiguration gut, ohne Anbauteile wäre das Rad nochmals etwa 1 kg leichter.

Als einziger Kritikpunkt ist aufgefallen, dass das Pinion-Getriebe beim runterschalten immer kurz im achten Gang hakte – hier musste dann zum Schalten der Druck vom Pedal genommen werden (ansonsten lies sich das Getriebe auch unter Last wirklich butterweich schalten).

Das Bike mit dem neuen Frontgepäckträger

Fazit

Die Summe seiner Eigenschaften machen das Geos mit Pinion-Getriebe tatsächlich zu einem außergewöhnlichen und sehr guten E-Bike: Der Stahlrahmen bietet schöne und clevere Details, das Getriebe scheint jeder Anforderung gewachsen und die Fahreigenschaften überzeugen auch dank des vom Drehmoment kontrollierten Antriebs. Einzig ein vollwertiger und integrierter Scheinwerfer beim Tagfahrlicht wäre wünschenswert. Abgesehen davon bietet Geos mit diesem Rad ein Allround-Bike in Manufaktur-Qualität, welches sich wohltuend vom Mainstream abhebt. So viel Einzigartigkeit hat aber auch ihren Preis: in der getesteten Variante kostet das Geos stolze 5.800 Euro. So ist das Geos sicherlich kein Fahrrad, das man notwendigerweise braucht. Aber auf jeden Fall eines, das man unbedingt will!

Alle weiteren Informationen und Konfigurationsmöglichkeiten zum Rad finden sich direkt auf der Website von Geos.

Share on facebook
Facebook
Share on twitter
Twitter
Share on pinterest
Pinterest
Share on email
Email
Share on whatsapp
WhatsApp

Werbung

4 Kommentare zu „Im Test: Das Geos E-Bike mit Stahlrahmen, Zahnriemen und Pinion-Getriebe“

  1. Das klingt stark und sieht gut aus! Verstehe ich es richtig… – Die Stärke der Motor-Unterstützung orientiert sich an meinem Krafteinsatz. Also nicht an der Kadenz, damit also anders als etwa bei den Zwillingen Desiknio Pinion Urban und mtb cycletech Souplesse GP? Das bedeutet, dass ich als sportlicher Fahrer mit gewohnt höherer Trittfrequenz auch in der Ebene leicht unterstützt mit konstanten ~23km/h besser vor mich hin fahren kann, oder?

  2. Hallo Marcus, der Antrieb funktioniert genauso wie du es verstanden hast (und unterscheidet sich damit vom genannten Ebikemotion-System). Teil 2 der Frage kann ich dir nicht pauschal beantworten, aber ein Beispiel: Wenn Du nur gemütlich vor dich hinrollst und ohne Krafteinsatz die Pedale bewegst (also eher ins Leere trittst), dann unterstützt dich ein Antrieb ohne Drehmomentmessung trotzdem mit voller Leistung in der jeweiligen Unterstützungsstufe. Ein Antrieb mit dieser Messung erkennt aber, dass Du gar keine Kraft abrufst und unterstützt dich daher in der Situation auch nur schwächer. Viele Grüße, Oliver

  3. Wolfgang Kubsch

    Hallo Oliver, hallo Marcus, ich fahre das Geos nun seit März 2020. Allerdings mit Kettenschaltung. Da ich aus dem Süden von Deutschland bin und einige Berge zu fahren habe, ist meine Entscheidung auf die Kettenschaltung gefallen. Es ist richtig, die Motorunterstützung orientiert sich an deinen Krafteinsatz. Es ist super angenehm auf den Fahrradwegen mit leichter Kraft zu treten und du fühlst an der Fußsohle die reduzierte unaufdringliche Unterstützung des Drehmoment Sensors. Mit einer konstanten Geschwindigkeit von bis 25km/h spürst du die leichte Unterstützung und ich bin begeistert wie angenehm das Bike zu fahren ist. Ein bisschen traurig bin ich, dass ich nicht gewartet habe bis das Geos mit dem Piniongetriebe angeboten wurde. Denn diese Ausstattung ist für mich der Hammer und genau die Konfiguration wie ich sie mir bereits 2018 gewünscht hätte. Natürlich ist es viel Geld, aber die Qualität die dieses Bike hat, ist jeden Euro wert. Vielen Dank Oliver für den ausführlichen Test und die sehr gute Beschreibung der Komponenten und vor allem der Funktionsweise des Piniongetriebe. Ich hoffe, das mit dem 8. Gang bekommen die Techniker auch noch hin. Viele Grüße aus Oberschwaben Wolfgang

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Aus dem Archiv

Partnerlinks

Dieser Artikel enthält Partnerlinks zu Webshops. Sollte es über einen dieser Links zu einem Verkauf kommen, erhalten wir eine kleine Provision. Diese hilft bei der Finanzierung dieser Website. Für den Käufer entstehen dabei keine Nachteile oder Mehrkosten!

Sponsored Post

Mit ausgewählten Partnern kann es zu bezahlten Kooperation kommen. Solche Artikel sind dann als Sponsored Post markiert.

Keine News verpassen

Folge uns auf Facebook, Instagram, Pinterest oder per RSS-Feed und verpasse keinen neuen Artikel!