Mit der Hub Line steigt Bosch erstmals in den Markt für Nabenmotoren ein – in diesem Artikel gibt es alle Details dazu. Im Rahmen der Vorstellung bestand auch gleich die Gelegenheit, den neuen Motor in mehreren E-Bikes zu testen. Dafür standen drei unterschiedliche Modelle von Canyon, Gazelle und Moustache bereit.



Vertraute Bosch-Bedienung
Technisch liefert die Hub Line ein Drehmoment von 45 Nm sowie eine Spitzenleistung von bis zu 400 Watt. Die Dauerleistung hingegen ist, wie bei Pedelecs gesetzlich vorgeschrieben, auf 250 Watt begrenzt.
Wer bereits ein Bosch E-Bike gefahren ist, wird sich auf Anhieb zurechtfinden. Das liegt nicht nur an den bekannten Bedienelementen, sondern auch an der vertrauten Logik der Fahrmodi. Zwar fehlen einige Spezialmodi wie der eMTB-Modus, die allgemeinen Unterstützungsstufen sind aber auch bei der Hub Line mit an Bord. Neben Eco, Tour und Turbo gehört dazu vor allem der Auto-Modus, der sich im Test auch hier eindeutig als Favorit herauskristallisierte.
Gleicher Motor, unterschiedlicher Charakter
Wie stark das jeweilige Fahrradkonzept das Fahrerlebnis beeinflusst, zeigte sich auch anhand der Testflotte. In einem leichten Urban Bike mit Singlespeed-Antrieb wirkte die Hub Line ausgesprochen agil und fast stärker, als die technischen Daten vermuten lassen. In einem schwereren Bike mit vergleichbarem Antrieb arbeitete der Motor zwar weiterhin souverän, fühlte sich aber spürbar weniger temperamentvoll an. Ein drittes Testbike mit ähnlichem Gewicht konnte dies hingegen mit der Kettenschaltung kompensieren. Eine spannende Option zum Singlespeed-Antrieb bietet zudem das neue Zweigang-Getriebe von Universal Transmission.



Das alles ist allerdings keine Besonderheit der Hub Line, sondern gilt grundsätzlich für jeden E-Bike-Antrieb: Gewicht und Übersetzung haben einen erheblichen Einfluss darauf, wie kraftvoll ein Motor im Alltag wahrgenommen wird.
Überzeugend im Auto-Modus
Wer regelmäßig Bosch-Systeme nutzt, kennt vermutlich bereits die Vorzüge des Auto-Modus. In unseren Tests war der Auto-Modus bereits bei Boschs Mittelmotoren meist die erste Wahl – und auch bei der Hub Line hinterlässt er einen überzeugenden Eindruck. Auf ebener Strecke unterstützt der Motor angenehm unauffällig. Das Rad beschleunigt zügig, ohne dabei das Gefühl zu vermitteln, selbstständig losstürmen zu wollen.
Interessant wird es an Steigungen, hier erhöht das System die Unterstützung dann deutlich stärker. Dabei bewegt sich die Unterstützung dann auf einem Niveau, das kaum noch vom Turbo-Modus zu unterscheiden ist. Genau diese Anpassungsfähigkeit macht den Auto-Modus im Alltag so angenehm.

Turbo-Modus deckt Schwächen auf
Anders präsentiert sich der Turbo-Modus. Auf flachen Strecken reagiert der Motor sehr energisch und schiebt bereits bei geringem Pedaleinsatz kräftig an. Das sorgt zwar für viel Vortrieb, wirkt jedoch stellenweise etwas unnatürlich – vor allem an leichten Bikes.
Ein Grund dafür dürfte auch im technischen Aufbau des Antriebs liegen, denn die Hub Line verzichtet auf einen Drehmomentsensor. Das System berücksichtigt zwar Faktoren wie Geschwindigkeit, Trittbewegung und Streckenneigung. Die tatsächlich aufgebrachte Pedalkraft fließt jedoch nicht in die Berechnung ein.
Das zeigt sich auch in einigen Fahrsituationen. So genügt es beim Dahinrollen, die Kurbel lediglich mitdrehen zu lassen, ohne spürbar Kraft aufzuwenden – der Motor unterstützt dennoch weiter. Ebenso fällt beim Anfahren am Berg auf, dass die Unterstützung erst nach etwa einer Viertelumdrehung der Kurbel einsetzt. Wer dies umgehen möchte, kann die Schiebehilfe nutzen, die so als Anfahrhilfe fungiert und den Start erleichtern kann.
Die Modi Tour und Eco arbeiten insgesamt linearer und greifen weniger aktiv in die jeweilige Fahrsituation ein. Sie liefern eine vorhersehbare Unterstützung, reagieren jedoch nicht so flexibel auf wechselnde Bedingungen wie der Auto-Modus.
Angenehm leise im Betrieb
Typisch für einen Nabenmotor arbeitet auch die Hub Line vergleichsweise geräuscharm. Während der Fahrt ist ein leichtes, konstantes Brummen wahrnehmbar, das jedoch kaum störend auffällt. Zwar gibt es am Markt noch leisere Antriebe, im Alltag verschwindet das Betriebsgeräusch jedoch meist schnell hinter Umgebungsgeräuschen, Straßenverkehr oder Fahrtwind.



Neue Akku-Lösung und bekannte Schnittstellen
Zusammen mit der Hub Line stellte Bosch auch den neuen und kompakten PowerTube 360-Akku vor. Besonders erfreulich ist dabei die Möglichkeit, dass der Akku zum Aufladen entnommen werden kann – vorausgesetzt, der jeweilige Fahrradhersteller entscheidet sich für diese Variante. Die Handhabung gleicht dabei den bereits bekannten PowerTube 600 und PowerTube 800-Akkus – und gelingt deutlich einfacher aus als beim ähnlich kompakten PowerTube 400-Akku. Gerade für Nutzerinnen und Nutzer, die ihr E-Bike nicht direkt am Stellplatz laden können, ist dies ein praktischer Vorteil.
Positiv fällt zudem die umfassende Kompatibilität mit dem bestehenden Bosch-Ökosystem auf. Die Hub Line nutzt die bekannten Schnittstellen und lässt sich mit aktuellen Displays sowie dem neuen LED Controller kombinieren. An Haptik, Bedienung und Funktionsumfang gibt es dabei wenig auszusetzen – Bosch liefert hier die gewohnte, ausgereifte Qualität.

Fazit
Mit der Hub Line gelingt Bosch ein solider Einstieg in den Markt der Nabenmotoren. Der Antrieb überzeugt vor allem dort, wo er vorgesehen ist: im urbanen Alltag. Besonders der Auto-Modus sorgt für ein angenehmes und ausgewogenes Fahrerlebnis und kaschiert die technischen Eigenheiten des Systems wirkungsvoll. Nicht ganz so souverän agiert die Hub Line im Turbo-Modus, wo die Unterstützung stellenweise etwas unnatürlich wirkt, sowie beim Anfahren an steilen Anstiegen – hier macht sich das Fehlen eines Drehmomentsensors bemerkbar. Für typische Stadtfahrten mit überwiegend moderaten Steigungen fällt dieser Punkt jedoch weniger stark ins Gewicht.
Hinzu kommen Pluspunkte wie die geringe Geräuschentwicklung, die Möglichkeit besonders schlanker und leichter Bikes sowie die Option eines einfach entnehmbaren Akkus. Damit passt die Hub Line besonders gut zu modernen Urban Bikes, bei denen ein schlankes Design und eine unkomplizierte Handhabung im Alltag im Vordergrund stehen.





