Erst vor Kurzem ist das TMD Kettenschloss auf den Markt gekommen und hebt sich mit seinem Konzept deutlich von klassischen Fahrradschlössern ab. Statt auf einen herkömmlichen Schlüssel setzt es auf eine Bluetooth-Verbindung zum Smartphone, kombiniert diese mit einer integrierten Alarmanlage und ermöglicht es sogar, den Zugang mit weiteren Personen zu teilen. Hinzu kommen Firmware-Updates, über die sich neue Funktionen nachträglich ergänzen lassen.
Das klingt nach einem spannenden Ansatz – doch wie gut funktioniert ein solches Schloss im Alltag tatsächlich? Genau das haben wir ausprobiert.

Hochwertige Verarbeitung
Schon beim Auspacken wird deutlich, dass TMD großen Wert auf Verarbeitung und Materialauswahl gelegt hat. Beides vermittelt das Gefühl, ein langlebiges Produkt in den Händen zu halten – was bei einem Preis von 249 Euro bei der hier getesteten Variante mit 110 cm Länge allerdings auch erwartet werden darf.
Die Kette steckt in einer weichen Silikonhülle mit geflochtenem Überzug, die den Rahmen zuverlässig vor Kratzern schützt und gleichzeitig verhindert, dass das Schloss während der Fahrt störend klappert. Ebenso positiv fällt die hohe Flexibilität auf. Trotz des gehärteten Stahlkerns lässt sich die Kette vergleichsweise eng biegen, wodurch sich das Anschließen in der Praxis unkompliziert gestaltet.
Mit 1,7 Kilogramm entspricht das Gewicht exakt den Herstellerangaben – und angesichts des massiven Stahlkerns und der integrierten Elektronik erscheint dieser Wert durchaus nachvollziehbar. Deutlich größer fällt dagegen das Verschlussteil aus. Kein Wunder, denn dort befinden sich neben dem elektrisch gesteuerten Schließmechanismus auch Akku, Lautsprecher und die komplette Elektronik. Zu beachten ist in diesem Zusammenhang, dass sich das Schloss bei Fahrrädern mit kompakten 20 Zoll-Laufrädern teils nur schwer zwischen den Speichen durchführen lässt. An Fahrrädern mit regulären Laufradgrößen spielte dieser Punkt im Test hingegen keine Rolle.
Auch die Akkulaufzeit hinterließ einen sehr guten Eindruck. Nach rund einem Monat regelmäßiger Nutzung sank der Ladestand lediglich um etwa zehn Prozent und bewegt sich damit im Rahmen der vom Hersteller angegebenen Laufzeit von bis zu neun Monaten. Geladen wird über einen magnetischen Spezialanschluss, der sich angenehm einfach handhaben lässt und gleichzeitig einen guten Schutz vor Feuchtigkeit bietet. Ein USB-C-Anschluss wäre aus Sicht des Alltags zwar universeller gewesen, die Entscheidung für den proprietären Stecker ist angesichts der Anforderungen an Wetterfestigkeit dennoch nachvollziehbar.
Einziges Bedienelement am Schloss ist ein kreisrunder Taster, der von einem LED-Ring umgeben wird. Sein klar definierter Druckpunkt sorgt dafür, dass er sich auch bei Nässe zuverlässig bedienen lässt.



Komfort statt Schlüsselbund
Seine größte Stärke spielt das TMD Kettenschloss jedoch erst im Alltag aus. Per Bluetooth verbindet es sich automatisch mit dem Smartphone und erkennt dessen Nähe, ohne dass dieses aus der Hosen- oder Jackentasche genommen werden muss. Ein Druck auf den Taster genügt anschließend, damit ein kleiner Elektromotor das Schloss entriegelt.
Dieses Prinzip funktionierte im Test über den gesamten Zeitraum hinweg zuverlässig. Gelegentlich benötigt das Schloss zwar allerdings einen kurzen Moment, bis die Bluetooth-Verbindung aufgebaut ist. Zwar signalisiert ein kurzes blaues Aufleuchten des LED-Ring, dass das Smartphone erkannt wurde. Da dieses Signal jedoch nur für einen Augenblick erscheint, bleibt manchmal unklar, ob die Verbindung bereits hergestellt ist oder noch aufgebaut wird. Eine dauerhaft leuchtende Statusanzeige wäre hier die praktischere Lösung gewesen.
Abgesehen davon überzeugt das Bedienkonzept auf ganzer Linie. Schon nach kurzer Zeit möchte man den Komfort nicht mehr missen, das Smartphone lediglich in der Tasche zu lassen und trotzdem ganz ohne Schlüsselbund auszukommen. Genau darin liegt letztlich der größte Mehrwert dieses Schlosses.
Smarte Funktionen ohne Smartphone-Stress
Mindestens ebenso durchdacht wie die Hardware präsentiert sich die zugehörige App. Sie erweitert den Funktionsumfang des Schlosses sinnvoll und ermöglicht es, neue Funktionen per Firmware-Update nachzureichen – eine Möglichkeit, von der TMD bereits Gebrauch gemacht hat. So steht inzwischen beispielsweise ein lautloser Modus zur Verfügung: Während das Schloss anfangs jede Betätigung des Tasters noch mit einem Signalton quittierte, lässt es sich heute auf Wunsch geräuschlos und damit deutlich diskreter bedienen.

Darüber hinaus können weitere Nutzer unkompliziert für das Schloss freigeschaltet werden. Besonders im Familienalltag oder wenn sich mehrere Personen ein Lastenrad teilen, erweist sich diese Funktion als ausgesprochen praktisch.
Das Beste aber: Nach der Einrichtung und den gewünschten Einstellungen spielt die App im Alltag kaum noch eine Rolle. Für das tägliche Öffnen genügt es, das Smartphone bei sich zu tragen – es kann währenddessen bequem in der Tasche bleiben. Genau diese Kombination aus umfangreichen Funktionen und gleichzeitig unkomplizierter Bedienung macht das System so angenehm.
Auch für den Notfall gerüstet
Natürlich stellt sich die Frage, was passiert, wenn das Smartphone einmal leer ist oder gar nicht mehr funktioniert. Für genau diesen Fall besitzt das Schloss einen Notfallmodus. Ein zuvor festgelegter vierstelliger Code lässt sich direkt über den Taster eingeben. Der LED-Ring zeigt dafür nacheinander vier Farben an, denen jeweils bestimmte Zahlenwerte zugeordnet sind. Über entsprechende Tastendrücke wird der Code eingegeben und das Schloss schließlich entriegelt.
Zwar ist dieses Verfahren deutlich umständlicher als die normale Bedienung, als reine Notfalllösung erfüllt es seinen Zweck jedoch zuverlässig. Vor allem sorgt es dafür, dass man auch ohne funktionierendes Smartphone jederzeit wieder an sein Fahrrad gelangt.



Alarm sorgt für Aufmerksamkeit
Zur Sicherheitsausstattung gehört außerdem eine integrierte Alarmanlage, die sich per Doppelklick auf den Taster aktivieren lässt. Ein kurzes weißes Aufleuchten des LED-Rings bestätigt die Aktivierung. Registriert der integrierte Sensor anschließend verdächtige Bewegungen, erfolgt zunächst eine Vorwarnung, bevor schließlich der eigentliche Alarm mit einer Lautstärke von 100 Dezibel ausgelöst wird.
Im Test erwies sich das Signal als ausgesprochen laut und dürfte im Ernstfall ausreichend Aufmerksamkeit erzeugen. Gleichzeitig verhindert das System Fehlalarme durch den Besitzer selbst – denn sobald sich das Schloss mit dem autorisierten Smartphone verbindet und geöffnet wird, deaktiviert sich die Alarmfunktion automatisch.
Fazit
Das TMD Kettenschloss zeigt im Test, wie komfortabel ein modernes, schlüsselloses Schloss im Alltag sein kann. Die automatische Entriegelung funktioniert zuverlässig und macht das tägliche Auf- und Abschließen spürbar angenehmer, auch wenn die Bluetooth-Verbindung gelegentlich einen kurzen Moment benötigt. Hinzu kommen eine überzeugende Akkulaufzeit, die Möglichkeit, den Zugang unkompliziert mit weiteren Personen zu teilen, sowie eine wirkungsvolle Alarmfunktion. Das größte Kaufhindernis bleibt da nur der ziemlich hohe Preis. Gleichzeitig bietet das Schloss derzeit eine Kombination aus schlüsselloser Bedienung, Alarmanlage und App-Anbindung, für die es am Markt kaum vergleichbare Alternativen gibt. Wer bereit ist, diesen Aufpreis zu investieren, erhält ein technisch durchdachtes Produkt, das den Alltag mit dem Fahrrad tatsächlich ein gutes Stück komfortabler macht.
Neben der getesteten Variante mit 110 cm Länge gibt es das TMD Kettenschloss auch in 70 cm und 160 cm – jeweils in den Farben Navy, Beige und Schwarz. Die Preise starten bei 229 Euro für das kleinste Modell – erhältlich direkt hier bei TMD oder bei ausgewählten Fachhändlern.




