lemmo 3 lastenrad cargo bike 2027

Vollgefedert, vernetzt und Auto-Schaltung

Lemmo 3: Dieses Lastenrad überrascht nicht nur beim Preis

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Lemmo erweitert Stück für Stück sein Angebot und möchte offenbar immer mehr Bereiche der urbanen Mobilität abdecken. Den Anfang machte das smarte Urban E-Bike One, mit dem Zero folgte zuletzt ein kompaktes Faltrad – und nun geht es mit dem „3“ in die nächste Kategorie. Das neue Lemmo 3 ist das erste Lastenrad der Marke und kommt als vollgefedertes Longtail mit umfangreicher smarter Technik.

Ganz neu ist die Idee allerdings nicht. Bereits 2024 zeigte Lemmo mit dem APV Concept eine erste Studie, deren Entwicklung bereits 2023 begonnen hatte. Aus der damaligen Idee wird nun ein Serienmodell – und viele der ungewöhnlicheren Ansätze des Konzepts haben es tatsächlich bis zum fertigen Rad geschafft.

Komfort dank Vollfederung

Besonders auffällig ist die aufwendige Federung. Lemmo spricht von einem „4D Suspension“-System und kombiniert dafür gleich mehrere Elemente. Am Heck arbeitet eine in die Rahmenkonstruktion integrierte Federung mit 80 Millimetern Federweg, vorne kommt eine Federgabel mit ebenfalls 80 Millimetern zum Einsatz. Hinzu kommen eine gefederte Sattelstütze mit weiteren 20 Millimetern sowie großvolumige All Terrain-Reifen.

lemmo 3 lastenrad cargo bike mood
Ungewöhnlich für ein Longtail-Cargobike: beim Lemmo 3 ist auch das Hinterrad gefedert

Damit unterscheidet sich das Lemmo 3 deutlich von vielen klassischen Longtails, bei denen zwar breite Reifen und teilweise eine Federgabel für Komfort sorgen, das Heck aber ungefedert bleibt. Gerade mit Kindern auf dem hinteren Sitz oder auf schlechten Wegen könnte die Hinterradfederung einen spürbaren Unterschied machen.

Auch bei der Geometrie geht Lemmo einen eigenen Weg. Vorne rollt das Lastenrad auf einem 24 Zoll-Rad, hinten kommt ein kleineres 20 Zoll-Laufrad zum Einsatz. Das soll vorne für gutes Überrollverhalten sorgen und gleichzeitig den Schwerpunkt im hinteren Bereich niedrig halten. Trotz des langen Radstands bleibt es bei einer direkten, fahrradtypischen Lenkung – ein wesentlicher Unterschied zu den meisten Long John-Lastenrädern.

Viel Platz am Heck

Das eigentliche Herzstück eines Longtails bleibt natürlich dessen Transportfläche. Beim Lemmo 3 misst die modulare Plattform am Heck 700 Millimeter und ist mit der praktischen MIK HD -Schnittstelle kompatibel. Ergänzt werden kann sie durch einen Frontgepäckträger und verschiedenes Zubehör. Kinder, Einkäufe, Gepäck oder auch Haustiere sollen sich damit transportieren lassen.

lemmo 3 lastenrad cargo bike kids
Von der hohen Zuladung profitieren unter anderem Familien bei Kindertransport

Das zulässige Gesamtgewicht liegt bei stolzen 200 Kilogramm. Damit bewegt sich das Lemmo 3 in einem Bereich, der auch größere Zuladungen ermöglicht – insbesondere für Familien dürfte aber die lange hintere Plattform interessant sein.

Großer Akku, starker Motor

Beim Antrieb setzt Lemmo auf einen kräftigen Hinterrad-Nabenmotor von Bafang mit 250 Watt Nennleistung und bis zu 90 Nm Drehmoment. Kombiniert wird dieser in der Standardversion mit einer elektronischen Kettenschaltung, die auf Wunsch automatisch den passenden Gang wählt. Dabei berücksichtigt das System unter anderem Drehmoment, Trittfrequenz, Geschwindigkeit und Steigung – gerade beim häufigen Anfahren mit schwer beladenem Lastenrad kann das den Alltag erleichtern.

Technisch ebenso interessant ist die alternativ angebotene Variante mit Riemenantrieb. Hier kombiniert Lemmo den Motor direkt mit einer integrierten automatischen 3 Gang-Schaltung. Der Gangwechsel erfolgt abhängig von der Fahrsituation selbstständig, auf eine klassische externe Schaltung kann dadurch vollständig verzichtet werden. Diese besonders wartungsarme Ausführung ist vor allem für eher flaches Terrain gedacht.

Energie liefert in beiden Fällen ein mit 960 Wh ausgesprochen großer Akku. Lemmo setzt dabei auf sogenannte Semi Solid State-Technologie und gibt eine Reichweite von bis zu 180 Kilometern an. Zudem lässt sich der Energiespeicher als mobile Stromquelle nutzen – das als Smartpac bezeichnete System kennen wir bereits von den anderen Bikes der Marke.

Radar und kombiniertes Bremssystem

Ungewöhnlich umfangreich fällt auch die Sicherheitsausstattung aus. Neben Abblend- und Fernlicht verfügt das Lemmo 3 über Bremslicht und Blinker. Hinzu kommt ein rückwärtiges Radar, das sich nähernde Fahrzeuge erkennen und entsprechende Warnungen auf dem Display ausgeben soll.

Eine weitere Besonderheit ist das kombinierte Bremssystem. Wird einer der beiden Bremshebel betätigt, werden beide hydraulischen Bremsen angesteuert. Lemmo verspricht sich davon insbesondere bei einem schwer beladenen Rad stabilere und besser kontrollierbare Bremsvorgänge. Ob das Bremssystem in dieser Form auch nach Deutschland kommt, bleibt abzuwarten – hierzulande sind zwei voneinander unabhängige Bremsen vorgeschrieben.

Auch bei der Vernetzung bleibt Lemmo seiner bisherigen Linie treu. Zentrale Schnittstelle ist ein 3,5 Zoll großer Touchscreen, wobei wichtige Funktionen weiterhin über physische Bedienelemente erreichbar sind. GPS-Tracking und weitere Sicherheitsfunktionen bilden zudem ein mehrstufiges Diebstahlschutzsystem.

Typisch Lemmo

Trotz des neuen Formats bleibt das Lemmo 3 gestalterisch seiner Familie treu. Die klare, technisch geprägte Formensprache erinnert an das One, während einige der kantigeren Details eher an das kompakte Zero anknüpfen. Auffällig ist vor allem die Rahmenkonstruktion mit ihrem tief angesetzten Oberrohr und dem sichtbar vom Hauptrahmen entkoppelten Heck – Letzteres ist nicht nur Gestaltungselement, sondern zugleich Teil der Hinterradfederung.

Auch die unterschiedlichen Laufradgrößen prägen die Proportionen. Das größere 24 Zoll-Vorderrad trifft auf ein 20 Zoll-Hinterrad, wodurch die lange Ladefläche vergleichsweise tief sitzt. Trotz 70 cm langer Heckplattform wirkt das Lemmo 3 dadurch weniger wie ein klassisches Lastenrad, sondern eher wie ein kräftig dimensioniertes Urban- beziehungsweise SUV-Bike mit verlängertem Heck. Genau diese Mischung dürfte durchaus beabsichtigt sein – schließlich entstand das Modell ursprünglich unter dem Namen „All Purpose Vehicle“.

Wer beim Anblick übrigens gewisse Ähnlichkeiten zum TM-B der Rivian-Ausgründung ALSO erkennt, liegt damit nicht ganz falsch. Das ebenfalls vollgefederte E-Bike verfolgt zumindest optisch einen durchaus ähnlichen Ansatz. Nur der zeitliche Ablauf spricht gegen allzu schnelle Schlüsse: Lemmo zeigte sein APV Concept bereits 2024 – und vor den Kaliforniern 😉

Viel Technik fürs Geld

Mit dem Lemmo 3 bringt die noch junge Marke ihr bislang ambitioniertestes Fahrrad auf den Markt. Vollfederung, 960 Wh-Akku, Radar, Blinker, automatisierte Schaltung, GPS und eine lange modulare Ladefläche ergeben auf dem Papier ein ungewöhnlich umfangreich ausgestattetes Longtail.

Umso bemerkenswerter fällt der Preis aus: Die reguläre UVP soll bei 3.390 Euro starten, im Rahmen der Kickstarter-Kampagne werden je nach Ausstattung Preise zwischen 1.890 und 2.249 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer aufgerufen. Zunächst ist dafür lediglich eine Anzahlung von 39 Euro erforderlich. Etwas Geduld gehört allerdings dazu – die Auslieferung des Lemmo 3 ist erst für das Frühjahr 2027 vorgesehen. Weitere Infos zur Kampagne gibt es direkt hier bei Lemmo.

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