Nach einer kurzen Winterpause sind wir zurück – mit einem Blick zurück auf das vergangene Jahr und einem Ausblick auf die Urban-Bike-Saison 2026. Auch wenn sich die Branche weiter sortiert und große Innovationssprünge etwas seltener geworden sind, mangelt es nicht an spannenden Entwicklungen. Im Gegenteil: Einige Trends gewinnen nun richtig an Fahrt!
Gedämpfte Nachfrage, volle Lager – die Branche im Realitätscheck
Die Fahrradbranche ist nach wie vor von gehemmter Nachfrage und gut gefüllten Lagern geprägt. Insolvenzen wie zuletzt bei Sushi Bikes unterstreichen die angespannte Lage und auch über die schwierige Situation bei Cowboy hatten wir kürzlich berichtet. Die Folgen sind sichtbar: Rabattschlachten im Handel und eine weiterhin zurückhaltende Einführung neuer Modelle. Viele Hersteller optimieren lieber Bestehendes, statt breit neue Plattformen zu launchen.
E-Bike-Antriebe: Evolution statt Revolution
Auch bei den Motoren ist Zurückhaltung spürbar. Um Shimano etwa blieb es im letzten Jahr überraschend ruhig, ein direkter Nachfolger der aktuellen Motorengeneration lässt weiter auf sich warten. Anders Bosch: Mit der neuen Performance Line, Performance Line PX sowie Updates für Cargo- und S-Pedelec-Antriebe wurde das Mid-Range-Segment gezielt modernisiert.
Offen bleibt, ob auch noch Boschs Einstiegsvariante Active Line einen Nachfolger erhält – angesichts des ohnehin breiten Portfolios und des gestiegenen Leistungsniveaus keine Selbstverständlichkeit. Denn während vor Kurzem noch Mittelmotoren mit rund 80 Nm Drehmoment zur Leistungsspitze zählten, rangieren sie mittlerweile – angesichts einer regelrechten Leistungsexplosion mit bis zu 120 Nm – eher im soliden, unteren Mittelfeld.



Auch andere innovative Antriebssysteme wurden zwar vielfach vorgestellt, müssen im Markt jedoch erst ankommen und vor allem auch von den Bike-Herstellern verbaut werden. Genau hier liegt aktuell ein zentrales Problem: Die angespannte Marktlage, volle Lager und wirtschaftliche Unsicherheit machen es für viele Marken schwierig, Risiken einzugehen und komplett neue Systeme in Serie zu bringen. Einen anderen Weg beschreiten hingegen Hersteller wie Hepha. Sie setzen exklusiv auf den vielversprechenden Motor von Gobao und können dessen Potenzial direkt über ihre eigenen Modelle im Markt unter Beweis stellen – ohne auf externe Partner oder lange Entscheidungsprozesse angewiesen zu sein.
Spannend bleibt weiterhin der Blick zu DJI mit dem Avinox-Antrieb: Es scheint nur eine Frage der Zeit, bis ein großer Fahrradhersteller das innovative System in Serie verbaut. Viele Interessierte dürften genau auf ein solches Produkt warten – was nicht zuletzt ein weiterer Faktor für die derzeit spürbare Kaufzurückhaltung im Markt sein dürfte.
Vollfederung erobert die Stadt
Einer der klaren Urban-Bike-Trends 2026 sind vollgefederte Konzepte. Hersteller wie Moustache, Kalkhoff, Orbea oder Cube haben entsprechende Modelle frisch veröffentlicht oder bereits angekündigt – und weitere dürften folgen. Das Ergebnis: mehr Komfort und Vielseitigkeit, besonders auf schlechten Stadtstraßen. Die Kehrseite ist hingegen ebenso offensichtlich: mehr Gewicht!



Ein weiterer Schritt, mit dem Urban Bikes konsequent komfortabler und alltagstauglicher werden. Nachdem in den vergangenen Jahren die Reifen immer breiter, die Möglichkeiten zum Gepäcktransport deutlich umfangreicher und stabile Schutzbleche sowie hochwertig integrierte Lichtanlagen zur Selbstverständlichkeit geworden sind, setzt sich diese Entwicklung nun folgerichtig fort.
Leichtbau: Der große Hype flacht ab – Innovation bleibt
Der große Hype um besonders leichte und schlanke Urban E-Bikes hat sich zuletzt etwas abgeflacht. Während in den vergangenen Jahren in diesem Segment vor allem kompakte Nabenmotoren im Fokus standen, setzen viele Marken inzwischen wieder vermehrt auf Mittelmotor-Antriebe, die konstruktionsbedingt meist etwas schwerer sind – sich dafür aber auch mit einer Nabenschaltung kombinieren lassen.



Ganz aus dem Blick geraten sind die Nabenmotoren jedoch keineswegs. Auch hier gab es im vergangenen Jahr spannende Innovationen – allen voran den neuen Motor von Bafang, der eine integrierte Dreigang-Automatikschaltung mitbringt. Ergänzt wird das Konzept durch Zweigang-Varianten, die sich ebenso als attraktive Alternative zu den bislang in diesem Segment so populären Singlespeed-Bikes anbieten und insbesondere in hügeligen Städten einen spürbaren Mehrwert liefern – und dabei die Vorteile des Nabenmotors mit seiner direkten Kraftentfaltung und der weitgehend lautlosen Arbeitsweise beibehalten.
Schaltungen: die Automatik kommt in der Masse an
Generell schlummert im Bereich der Schaltungen weiterhin enormes Innovationspotenzial. Elektronische und automatische Systeme werden nicht nur technisch ausgereifter, sondern vor allem spürbar günstiger und damit breiter zugänglich. Automatiklösungen kennen wir bereits aus dem E-Bike-Bereich, etwa von Enviolo, mit der MGU von Pinion oder aus den Modellen von Decathlon mit dem Owuru-Antrieb. Diese Systeme zeigen seit Jahren, wie sehr automatisches Schalten den Fahralltag vereinfachen kann.



Ein echtes Ausrufezeichen setzte zuletzt jedoch Shimano mit der Cues Q’AUTO-Automatikschaltung. Sie beweist, dass automatischer Schaltkomfort ganz unkompliziert auch bei analogen Fahrrädern mit Kettenschaltung möglich ist. In unserem Kurztest funktionierte das System nicht nur zuverlässig, sondern überraschend intuitiv und angenehm. Vieles deutet darauf hin, dass genau dieser Ansatz 2026 deutlich häufiger zu sehen sein wird und das Thema Automatikschaltung aus der Nische heraustritt.
Fazit: Konsolidierung mit klaren Signalen
Die Urban Bike-Saison 2026 steht weniger für radikale Umbrüche als vielmehr für eine gezielte und nachhaltige Weiterentwicklung. Komfort, Automatiklösungen und echte Alltagstauglichkeit rücken zunehmend in den Mittelpunkt, während sich Markt und Hersteller weiter konsolidieren.
Für Käuferinnen und Käufer bedeutet das vor allem mehr Auswahl und ausgereiftere Technik – und nicht zuletzt oft auch attraktive Preise, da viele Hersteller ihre Bikes angesichts der aktuellen Marktlage preislich nachjustiert haben. Für die Branche insgesamt bleibt es dennoch ein anspruchsvoller Balanceakt zwischen Innovationsdrang und wirtschaftlicher Vernunft.





