orbea carpe 20 review test design

Durchdachtes Design für die Stadt

Orbea Carpe 20 im Test: Sportliches Urban E-Bike mit spannenden Details

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Mit dem Carpe präsentierte Orbea in diesem Jahr ihr neuestes Urban E-Bike. Und wie man es von anderen Modellen der spanischen Marke gewohnt ist, bringt auch das hier getestete Carpe 20 einige besondere Details mit, die man bei anderen Bikes so nicht findet. Dazu kommen ein vergleichsweise niedriges Gewicht und ein kräftiger Motor – auf dem Papier klingt das nach einer ziemlich interessanten Kombination. Doch wie gut funktioniert das Konzept im Alltag?

Design

Schon optisch macht das Carpe 20 klar, in welche Richtung es gehen soll. Die Linienführung wirkt sportlich, die Rohre des Aluminiumrahmens sind angenehm schlank und bei unserem Testbike sorgt die strahlende Metallic-Lackierung in Mars Red für einen ziemlich auffälligen Auftritt. Dank des schlanken Unterrohrs fällt dabei kaum auf, dass darin überhaupt ein Akku steckt.

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Ungewohntes Bild: das Orbea Carpe zeigt sich durchaus dynamisch – trotz Komfortrahmen mit tieferem Durchstieg

Der als Unisex-Modell konzipierte Rahmen bietet einen abgesenkten Einstieg, ohne dabei wie ein klassischer Tiefeinsteiger auszusehen. Gleichzeitig soll das Sattelrohr mit etwas Flex zusätzlichen Komfort bieten. Einen ähnlichen Ansatz kennen wir bereits vom Orbea Diem, das wir ebenfalls schon hier im Test hatten. Dass das Carpe preislich etwas niedriger angesiedelt ist, erkennt man eher an Details wie den sichtbar belassenen Schweißnähten.

An anderen Stellen überrascht das Bike dagegen mit echten Highlights. Dazu gehört beispielsweise das in den Steuersatz integrierte Positionslicht, das für zusätzliche Sichtbarkeit im Straßenverkehr sorgt und in dieser Form eine Orbea-Eigenentwicklung ist. Auch das aufgeräumte Cockpit mit innen verlegten Zügen gefällt – und bietet noch einen weiteren Kniff: durch den klappbaren Vorbau lässt sich der Lenker seitlich drehen und das Bike kann dadurch besonders schmal abgestellt werden.

Ein weiterer Hingucker ist das winzige, in die Sattelstütze integrierte Rücklicht – eine ebenso unauffällige wie elegante Lösung. Für den sportlichen Look sorgen dagegen unter anderem die Felgen mit ihrem höheren Profil. Gleichzeitig zeigt sich das Carpe mit Gepäckträgern vorne und hinten auch praktisch ausgestattet.

Ausstattung

Bei der Ausstattung lohnt sich ein genauerer Blick, denn einige Komponenten unseres Testbikes gehören zum Sonderzubehör und zeigen recht anschaulich, wie vielfältig sich das Carpe bei Orbea konfigurieren lässt.

So ist beim Carpe 20 ist der Heckgepäckträger serienmäßig und mit einer MIK-Schnittstelle ausgestattet – damit lassen sich beispielsweise Körbe oder Kisten unkompliziert einklicken, die maximale Zuladung liegt bei 20 Kilogramm. Optional bietet Orbea aber auch einen größeren Träger für bis zu 27 Kilogramm an, der dank MIK HD sogar für die Montage eines kompatiblen Kindersitzes geeignet ist.

Der Frontgepäckträger unseres Testbikes gehört ebenfalls zur Sonderausstattung und darf mit bis zu zehn Kilogramm belastet werden. Zur Befestigung liegt ein Spannnetz bei. Ebenso sind der klappbare Vorbau, die Klapppedale und das Rahmenschloss am Vorderrad optionale Extras. Unser Testbike kommt damit fast schon in Vollausstattung daher.

Umso erstaunlicher ist das Gewicht, das wir mit 21,9 Kilogramm gemessen haben. Für ein voll ausgestattetes Urban E-Bike mit kräftigem Mittelmotor ist das durchaus beachtlich, zumal sich mit regulärem Vorbau und normalen Pedalen sowie ohne Frontgepäckträger sicherlich noch einmal rund zwei Kilogramm einsparen lassen dürften.

Beachtlich aus deshalb, weil man beim elektrischen Antrieb trotz des moderaten Gewichts keine größeren Kompromisse eingehen muss. Zum Einsatz kommt Shimanos EP6-Mittelmotor, der mit 85 Nm Drehmoment zu den kräftigeren Aggregaten zählt. Auch beim Akku spart Orbea nicht übermäßig: Mit 420 Wh Kapazität ist er zwar nicht riesig, für den typischen Stadtverkehr aber ordentlich dimensioniert. Einen möglichen Haken gibt es allerdings bei der Bauart, denn der Akku ist fest im Rahmen verbaut. Wer laden möchte, muss das komplette Bike also in die Nähe einer Steckdose bringen können. Für zusätzliche Reichweite bietet Orbea einen Range Extender im Format einer Trinkflasche an, der weitere 252 Wh Kapazität mitbringt.

Die Bedienung des E-Antriebs erfolgt an unserem Testbike über einen kompakten Taster und Shimanos EN600-Farbdisplay. Auch das ist eine Zusatzoption, denn serienmäßig wird das Carpe mit dem monochromen und inzwischen etwas altbacken wirkenden EN500-Bedienteil ausgeliefert.

Bei der Schaltung setzt Orbea auf Shimano Cues mit elf Gängen und einer Kassette mit 11 bis 46 Zähnen. Auch die hydraulischen MT200-Scheibenbremsen stammen von Shimano. Hightech-Komponenten sind das nicht, dafür handelt es sich um bewährte Standardtechnik, die gut zum Einsatzzweck des Carpe passt.

Etwas außergewöhnlicher fällt dagegen die Lichtanlage aus. Am Lenker sitzt ein Supernova Mini 2-Scheinwerfer, hinten kommt das kompakte TL3 Mini-Rücklicht zum Einsatz. Ergänzt wird beides durch das bereits erwähnte Positionslicht im Bereich des Steuersatzes. Dort findet sich außerdem eine USB-C-Buchse zum Laden eines Smartphones – passend dazu ist am Vorbau eine SP Connect-Halterung für das Telefon vorgesehen.

Den Kontakt zur Straße übernehmen Vittoria Randonneur-Reifen mit 42 Millimetern Breite, dazu gibt es passende Schutzbleche aus Aluminium. Fahrradklingel und Seitenständer komplettieren die alltagstaugliche Ausstattung. Ein optional erhältliches Rahmenschloss lässt sich zudem an der Gabel vorne befestigen.

Bedienung

Dass Shimanos aktuelles Antriebssystem nicht mehr ganz frisch ist, zeigt sich vor allem beim Benutzerinterface. Selbst mit dem moderneren Farbdisplay unseres Testbikes wirkt die Darstellung inzwischen etwas überholt und kann optisch nicht ganz mit neueren Systemen mithalten. Im täglichen Einsatz stört das glücklicherweise kaum – wichtiger ist schließlich, dass sich alles intuitiv bedienen lässt, und genau das funktioniert weiterhin gut.

Etwas lästig ist höchstens, dass sich das System den zuletzt gewählten Fahrmodus nicht merkt. Nach jedem erneuten Einschalten startet das Carpe zunächst ohne Unterstützung und der gewünschte Modus muss wieder ausgewählt werden. Und auch die Bedienung der Beleuchtung ist etwas eigenwillig gelöst. Zwar lässt sich das Licht grundsätzlich über das Bedienteil steuern, allerdings wird damit lediglich das Rücklicht ein- und ausgeschaltet. Der Frontscheinwerfer besitzt dagegen einen separaten kleinen Taster am Vorbau. Im Alltag dürfte man ihn daher vermutlich einfach dauerhaft eingeschaltet lassen – was im Stadtverkehr ohnehin keine schlechte Idee ist.

Der Ladeanschluss für den fest integrierten Akku befindet sich oberhalb des Motors und wird von einer stabilen Kunststoffklappe geschützt. Insgesamt folgt das Carpe bei der Bedienung erfreulicherweise einem einfachen Prinzip: Bike einschalten, Unterstützung wählen und losfahren, ohne sich lange mit Fahrmodi oder Displayanzeigen beschäftigen zu müssen. Das gelingt dem Shimano-System auch heute noch sehr gut. Gleiches gilt für die Cues-Schaltung, mit der Gangwechsel unkompliziert von der Hand gehen und die präzise sowie ausreichend schnell arbeitet.

Im Alltag überraschend praktisch erweist sich der optionale Klappvorbau. Das gilt nicht nur, wenn das Bike beispielsweise in der Wohnung möglichst platzsparend abgestellt werden soll, sondern auch an dicht belegten Fahrradständern. Mit seitlich gedrehtem Lenker kommt man den benachbarten Fahrrädern deutlich weniger in die Quere.

Entriegelt wird der Mechanismus über einen Schnellspanner am Vorbau, wobei durchaus etwas Handkraft gefragt ist. Anschließend lässt sich der Lenker frei in beide Richtungen drehen. Eine Rasterung für die gerade Mittelposition gibt es allerdings nicht. Vor dem Losfahren sollte man deshalb kurz darauf achten, dass der Lenker tatsächlich wieder sauber ausgerichtet ist. Die ebenfalls klappbaren Pedale schaffen zusätzlich etwas Platz – den deutlich größeren Effekt erzielt aber der Vorbau.

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Auch die Pedale lassen sich umklappen

Auch die Gepäcklösungen machen das Carpe flexibel. Am hinteren Träger lassen sich klassische Fahrradtaschen befestigen, zusätzlich ermöglicht das MIK-System die schnelle Montage und Demontage von kompatiblem Zubehör. Der Frontträger verzichtet auf ein solches System und besitzt stattdessen eine sechseckige Plattform samt Spannnetz. Durch den leicht erhöhten Rand lassen sich größere Gegenstände darauf allerdings nicht besonders gut flach ablegen. Gedacht ist der Träger eher für kompakteres oder flexibles Gepäck – etwa einen Stoffbeutel, eine Jacke oder ähnliche Dinge.

Positiv fällt außerdem die Position des Seitenständers weit hinten am Rahmen auf. Das Bike steht dadurch stabil und lässt sich selbst mit ausgeklapptem Ständer noch gut beim Parken manövrieren, ohne dass Pedale und Ständer miteinander kollidieren.

Fahreindruck

Was die technischen Daten bereits vermuten lassen, bestätigt sich auch auf der Straße: Dank des moderaten Gewichts und des kräftigen Motors ist man mit dem Carpe 20 zügig und erstaunlich flink unterwegs. Dazu passen die Sitzposition und der fast gerade Lenker, die eine gelungene Mischung aus sportlicher Ausrichtung und genügend Komfort für den täglichen Einsatz bietet.

Eigentlich ist es schade, dass die Kombination aus Shimano-Antrieb und Urban Bike inzwischen nicht häufiger anzutreffen ist – denn der kräftuge EP6 macht nach wie vor viel Spaß! Seine Leistung reicht im städtischen Verkehr mehr als ordentlich aus und gerade zusammen mit der Kettenschaltung und deren großer Übersetzungsbandbreite lassen sich auch steilere Anstiege problemlos bewältigen.

Beim Motor stehen drei Unterstützungsstufen zur Verfügung: Eco, Trail und Boost. Eco liefert seinem Namen entsprechend eine eher moderate Unterstützung und eignet sich gut, wenn man möglichst effizient unterwegs sein möchte. Am interessantesten ist aus unserer Sicht allerdings der Trail-Modus. Er reagiert direkt auf den Pedaldruck und passt die Unterstützung entsprechend an – egal, ob man gerade entspannt dahinrollt oder mit kräftigem Antritt beschleunigen möchte. Boost liefert schließlich konstant die volle Unterstützung und eignet sich damit besonders dann, wenn man selbst etwas weniger leisten möchte. Akustisch bleibt der Motor zwar stets wahrnehmbar, fällt mit seinem sonoren, leicht schleifenden Geräusch aber nicht unangenehm auf.

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Das Carpe erweist sich als leichtes, kräftiges und erfreulich eigenständiges Urban E-Bike

Auch der Fahrkomfort geht für ein ungefedertes Bike absolut in Ordnung. Das ist durchaus bemerkenswert, denn die 42 Millimeter breiten Reifen gehören im Vergleich zu manchen aktuellen Urban Bikes nicht gerade zu den besonders voluminösen Vertretern. Wie viel Anteil das leicht flexende Sattelrohr daran tatsächlich hat, lässt sich kaum isoliert beurteilen. Das Gesamtergebnis stimmt jedenfalls – gerade für ein Bike, das sich eher auf der sportlicheren Seite des Urban-Segments positioniert.

Fazit

Das Orbea Carpe ist ein gelungenes Urban E-Bike für alle, die ein eher sportlich ausgerichtetes Fahrrad suchen, dabei aber nicht auf echte Alltagstauglichkeit und die Leistung eines kräftigen E-Antriebs verzichten möchten. Gerade die Kombination aus relativ geringem Gewicht, 85 Nm starkem Mittelmotor und vielseitiger Ausstattung macht im täglichen Einsatz Spaß.

Eine besondere Stärke liegt zudem in den umfangreichen Möglichkeiten zur Individualisierung. Der klappbare Vorbau und die passenden Klapppedale, das ungewöhnliche Beleuchtungskonzept sowie die unterschiedlichen Gepäckträgerlösungen verleihen dem Carpe einige Eigenschaften, die man bei anderen Urban E-Bikes in dieser Form kaum findet.

Alles in allem ergibt sich damit ein höchst attraktives Gesamtkonzept. Die wohl größte Einschränkung hängt letztlich vom persönlichen Nutzungsszenario ab: Wer keine Steckdose am Abstellplatz zur Verfügung hat, dürfte sich am fest verbauten Akku stören. Wer damit leben kann, bekommt dagegen ein leichtes, kräftiges und angenehm eigenständiges Urban E-Bike.

Unsere Empfehlungen bei der Konfiguration sind vor allem der klappbare Vorbau und der Frontträger – beide Extras bringen im Alltag einen echten Mehrwert. In dieser Ausstattung würde der Preis bei rund 3.500 Euro liegen. Serienmäßig startet das Carpe 20 bereits bei 3.299 Euro, unser Testbike mit seiner umfangreichen Zusatzausstattung kommt auf rund 3.700 Euro. Weitere Informationen zu den verschiedenen Carpe-Modellen und den verfügbaren Ausstattungsoptionen gibt es direkt bei Orbea.

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