Mit dem Smart-Bike One hat Lemmo bereits gezeigt, wie innovativ, durchdacht und gleichzeitig vergleichsweise preiswert ein urbanes E-Bike sein kann. Mit dem Lemmo Zero überträgt der Hersteller viele dieser Ideen nun auf ein völlig anderes Format: Das ultrakompakte Faltrad übernimmt einige bekannte Eigenschaften des Erstlings, interpretiert sie aufgrund seiner Bauweise aber teilweise ganz neu. Bleibt die Frage: Funktioniert das Konzept auch im kleinen Format?
Design
Design ist eines der Kernthemen von Lemmo – und schon beim ersten Blick auf das Zero wird deutlich, dass auch hier viel Entwicklungsarbeit investiert wurde. Wohlgemerkt im umfassenden Sinne: Nicht nur das äußerliche Erscheinungsbild, sondern vor allem das funktionale Design hält einige überraschend clevere Lösungen bereit.

Rein optisch gefällt das Bike mit einer klaren Linienführung und der zweifarbigen Gestaltung unseres Testmodells in Silber und Mattschwarz. Für ein derart kompaktes Faltrad ist zudem die Verlegung der Kabel und Leitungen elegant gelöst, denn ein Großteil davon verschwindet direkt im Rahmen. Lediglich an der klappbaren Lenkerstange bleiben sie bauartbedingt sichtbar. Den kompakten Motor im Vorderrad nimmt man aufgrund seiner geringen Größe dagegen beinahe erst auf den zweiten Blick wahr.



Deutlich präsenter ist der Akku an der Vorderseite der Lenkerstange. Das ist allerdings eher als Feature denn als gestalterischer Makel zu verstehen, denn das von Lemmo Smartpac genannte Modul lässt sich komplett abnehmen und separat transportieren und dient dann auch als Powerbank zum aufladen externer Geräte wie Smartphone oder Laptop.
Besonders clever fällt aber der eigentliche Faltmechanismus aus. Beim Zusammenklappen verschwindet das Vorderrad teilweise im Rahmen und schaut anschließend an dessen Oberseite wieder heraus, wo sich eine magnetisch gehaltene Klappe automatisch öffnet. Das Ergebnis ist ein ausgesprochen kompaktes Faltmaß, mit dem sich das Zero sogar in einem ausreichend großen Reisekoffer verstauen lässt.
Ausstattung
Damit beim Lemmo Zero nicht nur die Abmessungen klein bleiben, sondern auch das Gewicht niedrig ausfällt, setzt der Hersteller auf einen leichten Carbonrahmen. Unser Testbike brachte ohne das Smartpac lediglich 11,7 Kilogramm auf die Waage – für ein elektrisches Faltrad dieser Größe ein ausgesprochen guter Wert. Hinzu kommen 2,6 Kilogramm für das Smartpac.
Der darin integrierte Akku bietet eine Kapazität von 159 Wh. Das ist auf den ersten Blick ziemlich überschaubar – reicht für die tendenziell eher kurzen Pendelstrecken eines solchen Faltrads meist aus. Gleichzeitig bleibt Lemmo damit knapp innerhalb der Grenze von 160 Wh, bis zu der Akkus unter bestimmten Voraussetzungen im Flugverkehr mitgenommen werden können. Man sieht also: Lemmo meint es durchaus ernst mit der Idee, das Zero auch auf Reisen mitzunehmen.
In diesem Zusammenhang noch ein Anhaltspunkt zur benötigten Koffergröße: In einen Rimowa Check-In M passte das gefaltete Zero mit seinen 59 x 52 x 25 cm ganz knapp nicht hinein. Mit der größeren Check-In L-Variante dürfte die Unterbringung dagegen kein Problem darstellen. Die jeweiligen Vorgaben der Fluggesellschaft zur Mitnahme des Akkus sollte man vor einer Reise natürlich dennoch prüfen.



Doch zurück zur eigentlichen Ausstattung des Bikes. Der Elektromotor sitzt im Vorderrad und bietet bis zu 30 Nm Drehmoment bei einer Leistung von 200 Watt. Auch das sind auf dem Papier eher zurückhaltende Werte, die im späteren Fahreindruck allerdings nichts Wesentliches vermissen lassen. Ergänzt wird der Motor von einer mechanischen 5-Gang-Kettenschaltung des chinesischen Herstellers Sensah, die klassisch per Kabelzug bedient wird.
Auch bei den Scheibenbremsen setzt Lemmo auf eine mechanische Betätigung und verzichtet auf ein hydraulisches System. Typisch für ein derart kompaktes Faltrad rollt das Zero auf 16 Zoll-Rädern, wo auch die Reifen mit 34 Millimetern vergleichsweise schmal ausfallen. Reflexstreifen besitzen sie leider nicht, Reflektoren für die Speichen liegen aber dem Bike bei.

Am Lenker befindet sich eine universelle Smartphone-Halterung, in die das Telefon einfach eingeklemmt wird. Eine spezielle Smartphone-Hülle oder ein zusätzliches Adapter-System ist dafür nicht notwendig. Über einen USB-Anschluss am Lenker lässt sich das Smartphone während der Fahrt zudem mit einem separaten Kabel laden. Weitere klassische Bedienelemente zur Steuerung des elektrischen Antriebs sucht man am Lenker dagegen vergeblich.
An unserem Testbike waren weder Schutzbleche noch eine Lichtanlage montiert. Erstgenannte bietet Lemmo inzwischen als optionales Zubehör an, letztere sind inzwischen im Lieferumfang enthalten – wenn auch leider nur separat batteriebetrieben und nicht zentral vom Smartpac mit Strom versorgt.
Bedienung
Ein zentrales Thema bei jedem Faltrad ist natürlich der Vorgang des Zusammen- und Auseinanderfaltens. Vorweg: Das grundsätzliche Prinzip ähnelt dem anderer Bikes dieser Kategorie – entsprechend braucht es zunächst ein paar Versuche, bis die einzelnen Abläufe sitzen. Hat man die Reihenfolge einmal verinnerlicht, geht der Vorgang jedoch schnell von der Hand.



Zum Aufbau werden zunächst der Lenker nach oben und anschließend der vordere Teil des Rahmens nach vorne geklappt. Beide Elemente rasten mit einem deutlich hör- und spürbaren Klick sicher ein. Die dazugehörigen Hebel sind stabil aus Aluminium gefertigt und lassen sich präzise bedienen. Der Hinterbau kommt dagegen ganz ohne zusätzlichen Verriegelungshebel aus und wird magnetisch am Hauptrahmen gehalten. Zum Einklappen genügt es, die Kettenstrebe mit dem Fuß nach unten zu drücken und gleichzeitig den Rahmen anzuheben.



Schließlich bleibt noch die Sattelstütze, die sich über zwei Schnellspanner ein- und ausfahren lässt. Praktisch dabei: Die Sattelstütze besitzt eine Skala, auf der direkt die entsprechende Körpergröße angegeben ist. Damit lässt sich die einmal gefundene Sitzhöhe nach jedem Aufklappen praktisch ohne Ausprobieren wieder einstellen. Für ein möglichst schmales Faltmaß kann außerdem das rechte Pedal abgenommen werden und findet anschließend unter dem Sattel seinen Platz. Das linke Pedal zeigt im gefalteten Zustand ohnehin in die Mitte des Rahmens und steht deshalb nicht nach außen ab.
In Summe ergibt sich ein durchdachter Faltvorgang, der sich gerade auf Reisen oder bei der Kombination mit öffentlichen Verkehrsmitteln als absolut alltagstauglich erweist. Dank einer kleinen Transportrolle am Hinterrad muss das zusammengefaltete Zero außerdem nicht ständig getragen werden, sondern lässt sich am Sattel vergleichsweise angenehm vor sich herschieben. Für eine bessere Stabilität empfiehlt es sich dabei, das Smartpac abzunehmen – dank seiner integrierten Halteschlaufe kann man es problemlos mit der anderen Hand tragen.
Lediglich das Handling des Smartpac selbst könnte noch etwas komfortabler ausfallen. Zwar gleitet das Modul über eine Führungsschiene sauber an seinen Platz an der Lenkerstange und sitzt dort anschließend stabil, die elektrische Verbindung zum Bike muss jedoch zusätzlich manuell per Kabel hergestellt werden. Eine Lösung, bei der der elektrische Kontakt bereits automatisch beim Einsetzen hergestellt wird, hätten wir an dieser Stelle bevorzugt.



Abgesehen davon bietet das Smartpac zwei USB-Anschlüsse und kann damit auch als Powerbank verwendet werden. Auf seiner Oberseite befindet sich zudem ein kleines Display, das unter anderem über den Ladezustand und den aktuell gewählten Fahrmodus informiert.
Zusammen mit dem grün leuchtenden Taster an der Lenkerstange lässt sich darüber auch die Unterstützungsstufe verändern, insgesamt stehen drei Fahrmodi zur Verfügung. Das Zero kann damit komplett ohne Smartphone gefahren und bedient werden – eine durchaus sinnvolle Backup-Lösung. Moderner und komfortabler gelingt die Bedienung allerdings über die Lemmo-App auf dem Smartphone. Dieses sitzt auch auf gröberem Untergrund sicher in der Lenkerhalterung und kann unter anderem die aktuelle Geschwindigkeit anzeigen sowie gefahrene Strecken aufzeichnen.



Die Kettenschaltung lässt sich ordentlich bedienen, wobei die einzelnen Schaltvorgänge recht direkt und auffällig vonstattengehen. Ähnlich sieht es bei den Bremsen aus: Trotz ihrer mechanischen Betätigung bieten sie für das vorgesehene Einsatzgebiet eine ausreichende Verzögerung. Und Lemmo selbst macht mit einem kleinen Sticker am Lenker ohnehin unmissverständlich klar, wo die Grenzen liegen – fürs Mountainbiking ist dieses Bike nicht gedacht 😉
Fahreindruck
Trotz seiner kompakten Abmessungen vermittelt das Lemmo Zero beim Aufsteigen keineswegs das Gefühl, auf einem zu kleinen Fahrrad zu sitzen. Lemmo empfiehlt das Modell für Personen zwischen 1,50 und 1,95 Metern Körpergröße, womit es einen erstaunlich großen Bereich abdecken soll. Auch mit 1,85 Metern und damit bereits im oberen Teil dieser Spanne passt die Sitzposition in unserem Test noch gut.



Der Lenker fällt mit rund 52 Zentimetern allerdings ziemlich schmal aus und ist zudem nahezu gerade gestaltet, wodurch sich eine eher sportliche Haltung ergibt. Kurze bis mittlere Strecken lassen sich damit problemlos zurücklegen, auf längeren Touren dürfte etwas mehr Komfort allerdings willkommen sein. Auch hier sollte man jedoch das eigentliche Einsatzszenario des Zero im Hinterkopf behalten: Es soll schließlich kein Trekkingrad ersetzen, sondern möglichst kompakt, leicht und einfach transportierbar sein.
Durch die kleinen und schmalen Reifen fährt sich das Zero ausgesprochen wendig und direkt – ein Verhalten, das für Räder dieser Bauart und Größe typisch ist. Hervorzuheben ist allerdings der erstaunlich stabile Gesamteindruck des Rahmens. Zu keinem Zeitpunkt entsteht das Gefühl, dass sich beim Fahren etwas störend verwindet oder verbiegt. Das vermittelt Vertrauen, denn mit dem kleinen Zero ist man durchaus flott unterwegs.

Auch der elektrische Antrieb passt gut zum Charakter des Zero. Die auf dem Papier eher moderaten Leistungswerte erweisen sich im Fahrbetrieb als vollkommen ausreichend – selbst steilere Strecken lassen sich mit Unterstützung der 5 Gang-Schaltung gut bewältigen. Umso bemerkenswerter ist, wie souverän der ausgesprochen kompakte Frontmotor seine Aufgabe erledigt und dabei auch noch angenehm leise arbeitet. Besonders positiv fällt die feinfühlige Steuerung des Frontmotors auf. Die Unterstützung setzt zwar unmittelbar ein, macht dies aber nie übermäßig stürmisch. So besteht beim Anfahren keine Gefahr, dass das Vorderrad plötzlich unkontrolliert an Traktion verliert – ein Punkt, den wir bei weniger gut abgestimmten Vorderradmotoren durchaus schon kritisiert haben.
Die drei Unterstützungsstufen unterscheiden sich ausreichend deutlich voneinander. Gleichzeitig lässt sich das Zero selbst ohne elektrische Unterstützung erstaunlich gut fahren. Hier macht sich einerseits das geringe Gewicht bemerkbar, andererseits bietet der kleine Frontmotor im ausgeschalteten Zustand kaum spürbaren Widerstand. Gerade wenn der Akku leer sein sollte oder man bewusst ohne Unterstützung fahren möchte, ist das ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

Fazit
Auch mit dem Zero zeigt Lemmo, dass sich ein kompaktes E-Faltrad nicht nur optisch eigenständig, sondern auch technisch ausgesprochen durchdacht umsetzen lässt. Vor allem der Faltmechanismus gehört zu den Stärken des Bikes: Er ist bis in kleine Details clever konstruiert und bleibt nach kurzer Eingewöhnung trotzdem angenehm alltagstauglich. Gleichzeitig überzeugen der stabile Fahreindruck und der überraschend gut abgestimmte elektrische Antrieb, der für ein Bike dieser Klasse kaum Wünsche offenlässt.
Ein paar Details ließen sich aus unserer Sicht noch optimieren: Vor allem beim Smartpac hätten wir uns eine komfortablere elektrische Verbindung gewünscht, bei der das Einsetzen des Akkus ohne zusätzliches Kabel auskommt. Für die tägliche Nutzung würden wir außerdem Schutzbleche empfehlen – diese sind inzwischen als optionales Zubehör erhältlich.
Bleibt noch der Preis – und der ist eine echte Ansage: 1.990 Euro kostet das Lemmo Zero inklusive Smartpac. Angesichts von Carbonrahmen, geringem Gewicht, E-Antrieb und dem cleveren Faltmechanismus ist das ausgesprochen attraktiv – ganz ohne einen nennenswerten Haken! Ein Grund für diesen niedrigen Preis ist Lemmos Direktvertriebsmodell: Das Bike ist direkt hier im Online-Shop von Lemmo in zwei Farbvarianten erhältlich.




