Vollgefederte Bikes werden längst nicht mehr nur im sportlichen Gelände eingesetzt, sondern finden zunehmend auch im urbanen Alltag ihren Platz. Mit dem Mardi 27.4 FS bringt Moustache ein Modell auf die Straße, das genau diesen Ansatz konsequent verfolgt. Das Bike fällt schon auf den ersten Blick aus dem üblichen City- und Trekkingrad-Einerlei heraus, wirkt eigenständig und technisch zugleich. Dabei bleibt das auffällige Design nicht bloß Selbstzweck, sondern verfolgt einen klar funktionalen Ansatz. Wie sich das Konzept im Alltag schlägt, zeigt unser Test.
Design
Das grundlegende Design des Mardi FS kennen wir bereits vom Moustache J aus dem Jahr 2023. Verblüffend dabei: auch heute wirkt die Formensprache noch genauso ikonisch und clean wie bei der Premiere. Neben dem geradlinigen Tiefeinsteiger-Rahmen fällt natürlich insbesondere die gefederte Schwinge mit dem Hinterrad auf, die den gesamten Antrieb beherbergt. Der Mittelmotor sitzt direkt in der Schwinge und fällt dort erstaunlich wenig auf, der Akku hingegen ist sauber im Rahmenrohr integriert und kann zum Laden entnommen werden.

Zum aufgeräumten Gesamtbild trägt auch das mattschwarze Finish bei, das dem Bike eine fast schon monolithische Optik verleiht. Viele Details zeigen sich dabei durchdacht integriert – etwa der formschön in die Front eingearbeitete Scheinwerfer oder der minimalistische Gepäckträger am Hinterrad. Trotz der cleanen Linien wirkt das Mardi keineswegs filigran, vielmehr verleihen die breiten Reifen dem Bike eine durchaus kräftige und selbstbewusste Erscheinung.
Interessant ist außerdem, dass der gegossene Aluminiumrahmen gegenüber dem J zwar äußerlich kaum verändert wurde, dennoch aber deutlich weiterentwickelt ist. Durch optimierte Produktionsprozesse konnte man den Rahmen um rund 600 Gramm erleichtern und dabei gleichzeitig seine Steifigkeit erhöhen. Zudem ist der Rahmen nun mit verschiedenen Antrieben aus dem aktuellen Line-up von Bosch kompatibel und ermöglicht insgesamt auch eine attraktivere Positionierung beim Preis.
Ausstattung
Nicht nur bei der Federung zeigt sich das Mardi 27.4 FS voll ausgestattet, auch sonst präsentiert sich das Bike für den alltäglichen Einsatz in nahezu jeder Hinsicht gewappnet. Fangen wir beim Antrieb an: hier kommt Boschs neuer Performance Line PX-Motor zum Einsatz, der speziell für den urbanen und Touren-Einsatz konzipiert wurde – gleichzeitig aber mit einer hohen Leistung überzeugen kann. Das Aggregat liefert kräftige 90 Nm Drehmoment und wird von einem entnehmbaren PowerTube-Akku mit 600 Wh Kapazität versorgt. Die Bedienung des smarten Antriebssystems erfolgt über die kompakte Purion 200-Einheit, welche Farbdisplay und Taster vereint. Optisch bleibt das System am Lenker damit angenehm unauffällig, bietet aber dennoch alle wichtigen Informationen auf einen Blick.



Auch der mechanische Antrieb zeigt sich alltagstauglich. Hier kommt Shimanos 5-Gang-Nabenschaltung Nexus 5e zum Einsatz, die sich bei uns inzwischen zu einem echten Favoriten entwickelt hat. Trotz ihrer überschaubaren Anzahl an Gängen bietet sie mit 263 Prozent eine durchaus ausreichende Bandbreite und überzeugt dabei vor allem im Alltag – doch dazu später im Fahreindruck mehr. Angesteuert wird die Nabe über einen Gates-Zahnriemen, dessen Vorteile bekannt sind: leiser Lauf, kaum Wartungsaufwand, kein Kettenöl und insgesamt ein sehr sauberer Betrieb.



Ein wesentliches Merkmal des Bikes bleibt natürlich die Federung. Vorne arbeitet eine SR Suntour XCM32-Federgabel, hinten Moustaches eigener Magic Grip Control 115-Dämpfer. Mit 100 Millimetern Federweg an der Front und 115 Millimetern hinten bietet das Mardi damit große Reserven, die nicht nur in der Stadt, sondern auch auf Touren mehr als ausreichen. Passend dazu kommen 60 Millimeter breite Schwalbe Super Moto-X Reifen im 27,5 Zoll-Format zum Einsatz. Gebremst wird mit hydraulischen Scheibenbremsen aus Shimanos MT200-Serie – ene bewährte und zuverlässige Bremse, ohne dabei besonders hervorzustechen.
Auch die Alltagsausstattung ist umfangreich. Die doppelwandigen Aluminium-Schutzbleche führen gleichzeitig die Verkabelung des Rücklichts im Inneren und schützen diese so vor Beschädigungen. Das Rücklicht stammt von Spanninga, der stimmig in den Vorbau integrierte Frontscheinwerfer von AXA bietet 80 Lux Lichtleistung. Zudem lässt sich der Vorbau in der Höhe verstellen und der Lenker ist leicht nach hinten geschwungen. Komplettiert wird das Ergonomie-Paket von einer Vario-Sattelstütze mit 150 Millimetern Absenkung.



Praktisch ist auch das Rahmenschloss, welches direkt an der Federgabel montiert ist. Für den Transport bietet der puristische Gepäcktaschenhalter am Hinterrad die Möglichkeit, zwei Packtaschen aufzunehmen und bringt dafür auch passende QL3-Befestigungspunkte mit. Optional lässt sich der Gepäckträger nun auch um einen unauffälligen MIK-Adapter erweitern: damit kann man etwa eine Kiste oder ein Korb mit nur einem Klick befestigen, zudem bietet der Adapter auch ein kleines Staufach – beispielsweise ein zusätzliches Faltschloss.
Wer mehr transportieren möchte, kann optional einen Frontgepäckträger mit 10 kg Traglast montieren oder direkt zum großen freitragenden Gepäckträger greifen. Dieser ist fest mit dem Rahmen verbunden und dadurch ebenfalls gefedert. Zudem bietet er eine MIK HD-Schnittstelle, etwa zur Befestigung eines Kindersitzes. Optisch trägt diese Lösung allerdings deutlich stärker auf. Nicht ganz unwichtig ist in diesem Zusammenhang das zulässige Gesamtgewicht von 135 kg – denn das Bike selbst bringt bereits gut 29 kg auf die Waage. Das ist angesichts der umfangreichen Ausstattung und der Vollfederung zwar nachvollziehbar, dennoch kein Leichtgewicht.
Bedienung
Das Bosch-Bediensystem gehört inzwischen zu den etablierten Lösungen am Markt und funktioniert auch hier gewohnt unkompliziert. Die Bedienung ist schnell verstanden, gleichzeitig bietet das System zahlreiche Möglichkeiten zur Individualisierung. Über Boschs eBike Flow-App lassen sich unterschiedliche Fahrmodi konfigurieren und bevorzugte Einstellungen abspeichern. Das Purion 200 am Lenker überzeugt dabei mit gutem Druckpunkt und lässt sich bequem mit dem Daumen bedienen. Das Display fällt zwar eher klein aus, ist aber hell und angenehm hochauflösend. Alle wichtigen Informationen lassen sich somit gut während der Fahrt problemlos ablesen.



Positiv fällt auch die Entnahme des Akkus auf: Moustache verwendet eine stabile Kunststoff-Abdeckung, die sich einfach abnehmen lässt. Der Akku selbst kann ebenso intuitiv entnommen und wieder eingesetzt werden, dabei ist auch die eigens angebrachte Halteschlaufe von Moustache hilfreich. Wer den Akku lieber direkt im Bike laden möchte, kann das natürlich ebenfalls tun: der Ladeport sitzt direkt am Motor und wird von einer einfachen Gummikappe verschlossen – nichts Besonderes, aber funktional.
Ähnlich unkompliziert präsentiert sich die Gangschaltung, mit der sich über einen Drehgriff und kleiner Anzeige für die gewählte Gangstufe einfachen der gewünschte Gang wählen lässt. Die Vario-Sattelstütze wiederum wird über einen Daumentaster links am Lenker bedient. Mit einem Druck fährt sie nach unten oder hebt sich wieder an, sobald man kurz aus dem Sattel geht. Die Federung lässt sich präzise an das Gewicht von Fahrerin oder Fahrer anpassen und der hintere Dämpfer bietet zusätzlich einen kleinen Hebel mit zwei Positionen – für Fahrten mit Gepäck oder ohne zusätzliche Beladung.
Fahreindruck
Die Sitzposition auf dem Mardi FS fällt angenehm aufrecht aus und passt hervorragend zum komfortorientierten Charakter des Bikes. Dank des verstellbaren Vorbaus lässt sich die Haltung aber individuell an die eigenen Vorlieben anpassen – je nachdem, ob man eher entspannt oder etwas aktiver unterwegs sein möchte. Zusammen mit dem ergonomisch geformten Lenker und den Ergo-Griffen ergibt sich so auch auf längeren Strecken eine sehr bequeme Sitzposition.

Für einen dynamischen Fahreindruck sorgt vor allem der Bosch Performance Line PX-Motor. Die Unterstützung spricht feinfühlig an, setzt harmonisch ein und entkoppelt sauber an der 25 km/h-Grenze. Besonders überzeugend ist im Alltag der Auto-Modus, der die benötigte Unterstützung in fast allen Situationen perfekt liefert – und so das Umschalten zwischen anderen Fahrmodi im Alltag weitgehend überflüssig macht.
Auch die Kombination aus kräftigem Motor und Shimanos Nexus 5 Gang-Nabenschaltung funktioniert bestens. Dank der elektrischen Unterstützung reicht auch die überschaubare Anzahl an Gängen im Alltag gut aus und auch steilere Anstiege lassen sich damit recht mühelos bewältigen. Die Gangwechsel werden erfreulich direkt umgesetzt, auch wenn dies unter Last manchmal mit etwas lauteren Geräuschen quittiert wird. Im normalen Fahrbetrieb bleibt der Antrieb dafür praktisch unhörbar, was ebenso am leisen Freilauf wie am Gates-Zahnriemen liegt. Der PX-Motor ist zwar akustisch wahrnehmbar, durch das eher tiefe und sonore Geräusch aber nie störend.
Das eigentliche Highlight bleibt allerdings der Fahrkomfort. Die Federung spricht sensibel an und federt Unebenheiten des Alltags bemerkenswert souverän weg. Kopfsteinpflaster, Bordsteine oder Schlaglöcher verlieren dadurch deutlich ihren Schrecken, gleichzeitig bietet das Fahrwerk genügend Reserven für Schotter- oder Waldwege. Gerade diesen Rundum-Komfort lernt man schnell zu schätzen.

Durch die Federung sitzt man leicht erhöht, was einen guten Überblick im Verkehr vermittelt. Dabei erweist sich an Ampelstopps besonders die Vario-Sattelstütze als praktisch: Der Sattel lässt sich weit absenken, wodurch man trotz des relativ hohen und schweren Bikes sicher mit beiden Füßen den Boden erreicht – hier spielt auch der Komfortrahmen seine Vorteile aus. Während der Fahrt fällt das Gewicht dagegen deutlich weniger auf – auch hier macht sich die Leistung des starken Antriebs bezahlt.
Fazit
Mit dem Mardi 27.4 FS bietet Moustache ein außergewöhnliches Komfortrad, das sich wohltuend von vielen anderen Modellen abhebt. Das eigenständige Design trifft auf hohen Fahrkomfort und eine voll alltagstaugliche Ausstattung. Besonders gut funktioniert dabei die Kombination aus starkem Motor, Zahnriemen und robuster Nabenschaltung. Das System harmoniert einfach sehr stimmig miteinander und passt perfekt zum unkomplizierten Charakter des Bikes. Angesichts der vielfältigen Gepäckträger-Optionen wäre ein höheres zulässiges Gesamtgewicht allerdings wünschenswert gewesen, zumal das Bike selbst nicht gerade leicht ausfällt. Insgesamt ergibt sich aber ein überzeugendes Gesamtpaket für 4.799 Euro – sicherlich kein günstiges Bike, für einen vollgefederten Alltagsbegleiter dieser Art aber durchaus seinen Preis wert.
Weitere Infos zum Bike gibt es hier auf der Website von Moustache, dort sind auch weitere Varianten des Modells zu sehen – das Topmodell Mardi 27.6 FS mit der stufenlosen Enviolo-Schaltung oder das preisgünstigere Mardi FS 27.2 FS.




