Wir starten das Jahr mit einem echten Highlight – dem Test des Moustache Clutch SUV 150.7 EQ. Dieses Bike bringt gleich mehrere Superlative mit: Es ist vollgefedert, für nahezu jedes Terrain ausgelegt und mit der innovativen Pinion MGU ausgestattet, also einer kombinierten Einheit aus Getriebe und kräftigem Motor. Auch der Preis bewegt sich auf Superlativ-Niveau, weshalb die Erwartungen entsprechend hoch sind. Ob das Clutch SUV diesen gerecht werden kann, klären wir im ausführlichen Test.
Design
Keine Frage, die Wurzeln des Clutch SUV liegen klar im Mountainbike-Bereich. Der vollgefederte Rahmen in Kombination mit der Mullet-Bereifung aus 29 Zoll großem Vorderrad und 27,5 Zoll Hinterrad macht unmissverständlich deutlich, dass dieses Bike auch abseits asphaltierter Straßen zu Hause ist. Der Auftritt fällt entsprechend kraftvoll und sportlich aus, was durch die groben Stollenreifen und das breite Cockpit zusätzlich unterstrichen wird.



Gleichzeitig zeigt sich Moustache bei den typischen SUV-Komponenten erfreulich zurückhaltend. Schutzbleche, Gepäcktaschenhalter und Lichtanlage sind sauber integriert und fügen sich unauffällig ins Gesamtbild ein. Weniger dezent präsentiert sich dagegen die recht massive Motor-Getriebe-Einheit im Bereich des Tretlagers. Im Kontrast dazu steht der restliche Antrieb, der mit seinem Zahnriemen sehr unauffällig entlang des Hinterbaus geführt wird und optisch kaum ins Auge fällt.
Ausstattung
Das Herzstück des Clutch ist die Pinion MGU, denn normalerweise setzt Moustache bei seinen E-Bikes auf Motoren von Bosch. Die Entscheidung für die MGU liegt an der bislang weitgehend einzigartigen Kombination aus kräftigem Motor und integriertem Getriebe in einem Bauteil. Mit einer Übersetzungsbandbreite von 600 Prozent deckt das 12-Gang-Getriebe ein extrem breites Einsatzspektrum ab. Der Motor selbst liefert dabei ein maximales Drehmoment von 85 Nm, wobei im kleinsten Gang am Hinterrad sogar Werte von bis zu 160 Nm gemessen werden! Der fest im Unterrohr verbaute Akku kommt auf eine Kapazität von 780 Wh und soll für hohe Reichweiten bis zu 90 km sorgen – wie immer hängen solche Hersteller-Angaben aber von vielen Faktoren ab (Eigenleistung, Eigengewicht, Untergrund, Fahrmodus etc.) und sind in der Realität kaum allgemeingültig.



Ein großer Vorteil der gekapselten Einheit aus Motor und Getriebe liegt im Schutz vor äußeren Einflüssen. Schlamm, Regen oder Schnee können der Technik deutlich weniger anhaben, was besonders im Ganzjahreseinsatz interessant ist. Passend dazu verzichtet Moustache auf eine klassische Kette und setzt stattdessen auf den nahezu wartungsfreien Zahnriemen von Gates.



Für eine sichere Verzögerung bei jedem Wetter ist eine kräftige Vierkolben-Bremsanlage vom Typ Magura MT5 mit 203 Millimeter großen Scheiben an beiden Rädern zuständig. Beim Fahrwerk kommt vorne eine RockShox Psylo Silver RC-Luftfedergabel mit 150 Millimeter Federweg zum Einsatz, während am Heck der hauseigene Magic Grip Control-Dämpfer ebenfalls 150 Millimeter Federweg bietet.
Die 60 Millimeter breiten Maxxis-Reifen sind im bereits erwähnten Mullet-Setup montiert. Das große Vorderrad soll dabei für gutes Überrollverhalten und viel Laufruhe sorgen, während das kleinere Hinterrad Agilität und Wendigkeit begünstigt.



Ergänzt wird das Ausstattungspaket durch eine absenkbare Vario-Sattelstütze mit 150 Millimeter Hub und der hochwertigen Lichtanlage von Supernova. Vorne ist der Mini 3 Pure-Scheinwerfer direkt am Lenker verbaut – allerdings leider ohne eine Fernlichtfunktion, die für schnelle Fahrten abseits befestigter Wege durchaus wünschenswert gewesen wäre. Hinten kommt das TL3 Z-Rücklicht mit integriertem Reflektor zum Einsatz. Die stabilen Aluminium-Schutzbleche bieten seitlich zwei Gepäcktaschenhalter, welche mit dem gängigen QL3-System kompatibel sind. Und selbst ein Seitenständer fehlt nicht, der in Form eines Hinterbauständers für sicheren Stand des Bikes sorgt. Ein cleveres Detail bietet zudem im Vorbau: dort versteckt sich ein Multi-Werkzeugtool, welches sich einfach nach oben herausziehen lässt.

Mit all dieser Ausstattung überrascht es nicht, dass das Clutch kein Leichtgewicht ist. Fahrfertig in Größe L haben wir das Testrad mit 29,3 Kilogramm gewogen.
Bedienung
Trotz der wuchtigen MGU-Einheit im Bereich des Tretlagers wirkt das gesamte Bedienkonzept des Bikes angenehm aufgeräumt und klar strukturiert, ohne den Fahrer mit zu vielen Bedienelementen zu überfordern. Im Oberrohr ist ein kompaktes Farbdisplay integriert, das modern wirkt und alle relevanten Informationen wie Geschwindigkeit, Unterstützungsstufe, Akkustand und Schaltstufe übersichtlich darstellt.

Gesteuert wird das System über den schlichten Remote Pure-Daumentaster an der linken Lenkerseite, mit dem sich die Unterstützungsmodi Eco, Flow, Flex und Fly sowie eine zusätzliche Boost-Funktion intuitiv anwählen lassen, ohne die Hand vom Lenker nehmen zu müssen. Die Gangwechsel erfolgen über einen separaten Daumentaster auf der rechten Lenkerseite, dessen Haptik und Bedienlogik stark an klassische mechanische Schaltungen erinnert und entsprechend schnell vertraut wirkt.
Die Position des Displays im Oberrohr erfordert einen Blick nach unten, was während der Fahrt zwar leicht ablenken kann – aber nur dann wirklich auffällt, wenn man mal tiefer in die umfangreicheren Systemeinstellungen eintauchen möchte. Davon bietet das System einige, allen voran den Automatikmodus Auto.Shift, bei dem das Getriebe selbstständig die Gangwechsel übernimmt. Die gewünschte Trittfrequenz lässt sich dabei in Fünferschritten feinjustieren, wobei ein manuelles Eingreifen auch im Automatikbetrieb durch die Betätigung des Schalthebels jederzeit möglich bleibt. Über die App lassen sich zusätzlich weitere sinnvolle Funktionen konfigurieren, darunter Start.Select, mit dem ein definierter Startgang für das Anfahren festgelegt wird, sowie Pre.Select, das nach Rollpassagen automatisch einen passenden Gang wählt und so Leerlauf vermeidet.

Der Ladeanschluss ist gut erreichbar oberhalb des Tretlagers positioniert und wird von einer stabilen, wertig wirkenden Klappe geschützt. Zwar lässt sich der Akku grundsätzlich aus dem Rahmen entnehmen, der Aufwand dafür ist allerdings vergleichsweise hoch – zunächst muss eine Klappe unterhalb des Motors geöffnet und anschließend ein Haltebolzen gelöst werden, wobei das Bike dabei am besten kopfüber steht. Für Pendler ist diese Lösung im Alltag nur eingeschränkt praktikabel, weshalb es sinnvoll ist, das Bike möglichst in der Nähe einer Lademöglichkeit abstellen zu können.
Fahreindruck
Trotz seiner klar sportlichen Gene überrascht das Clutch mit einer sehr komfortablen Sitzposition, wie man sie von Moustache fast schon erwartet und die auch auf längeren Strecken nicht ermüdet. Das breite Cockpit vermittelt jederzeit ein hohes Maß an Kontrolle, während die Sitzhaltung insgesamt angenehm aufrecht ausfällt und damit sowohl im Alltag als auch auf längeren Touren überzeugt. Der lange Radstand trägt zusätzlich zu einem sehr stabilen Fahrverhalten bei und verleiht dem Bike ausgeprägte Langstreckenqualitäten, ohne dabei träge zu wirken.

Der Motor der MGU greift kräftig ein und liefert vor allem im Modus Fly eine sehr direkte und sehr starke Unterstützung, die selbst steile Anstiege souverän bewältigt. Im täglichen Einsatz erweisen sich jedoch die adaptiven Modi Flow und Flex als deutlich harmonischer, da sie sich feinfühliger an die eigene Trittkraft anpassen und dadurch ein natürlicheres Fahrgefühl vermitteln.
Akustisch gehört die MGU sicherlich zu den lauteren Systemen am Markt, bleibt in den mittleren und höheren Gängen jedoch überraschend zurückhaltend. Erst in den kleinen Gängen unter hoher Last nimmt die Geräuschkulisse deutlich zu, was im normalen Pendelbetrieb allerdings nur selten eine Rolle spielt. Denn die insgesamt eher lang ausgelegte Übersetzung sorgt dafür, dass diese Gänge hauptsächlich nur an sehr steilen Anstiegen genutzt werden müssen.
Besonders auf Asphalt entwickelt sich die Automatikfunktion der MGU schnell zu einem echten Komfort-Feature, da sie so zuverlässig und vorausschauend schaltet, dass man kaum noch das Bedürfnis verspürt, manuell einzugreifen. Hat man sich einmal daran gewöhnt, wirkt klassisches Schalten fast schon ein wenig aus der Zeit gefallen. Im Gelände zeigt die Automatik jedoch ihre Grenzen, da sie bei spontanen Steigungswechseln oder wechselndem Untergrund nicht immer den optimalen Schaltzeitpunkt trifft. In solchen Situationen lässt sich problemlos manuell eingreifen, wobei die elektronisch ausgeführten Gangwechsel durch ihre hohe Präzision und schnelle Ausführung überzeugen.



Die Federung spricht sensibel an und bietet zugleich reichlich Reserven, was vor allem bei höherem Tempo auf ruppigem Untergrund ein hohes Maß an Sicherheit vermittelt. Auch die Bremsanlage arbeitet durchweg zuverlässig und bringt das Bike selbst aus hohen Geschwindigkeiten kontrolliert und gut dosierbar zum Stillstand. Auch dann lernt man die ablenkbare Sattelstütze zu schätzen, dank der man recht bequem an Ampelstops mit dem Bein den Boden erreichen kann. Auf schnellen Abfahrten im Gelände zahlt sie sich ohnehin aus – dort ermöglicht sie die nötige Bewegungsfreiheit, um mit dem Körper weit nach hinten aus dem Sattel zum kommen.
Mit ihrem grobstolligen Profil sorgen die die Reifen auf Asphalt für ein recht hohes Abrollgeräusch, bieten dafür auf losem Untergrund eine gute Traktion. Und obwohl alle Anbauteile hochwertig verarbeitet und klapperfrei montiert sind, hört man im Gelände doch hin und wieder kleine Steine, die zwischen Alu-Schutzblech und den Reifen durchgewirbelt werden. Kompromisse, die man bei einem solchen Bike eingehen muss und die zugleich den vielseitigen Charakter des Clutch aufzeigen – es will sich zwischen Alltag, Tour und Offroad-Einsatz bewusst nicht festlegen, sondern vielmehr alle Bereiche abdecken!

Fazit
Das Moustache Clutch SUV 150.7 EQ präsentiert sich als ausgesprochen spannendes und in sich stimmiges Gesamtpaket, das sich vor allem an Pendler richtet, die ganzjährig, bei jedem Wetter und auf wechselnden Untergründen unterwegs sind. Gerade in diesem Einsatzbereich spielt der wartungsarme Antrieb mit seiner kräftigen und jederzeit abrufbaren Unterstützung seine Stärken konsequent aus und sorgt für ein souveränes Fahrerlebnis. Besonders im Straßeneinsatz weiß zudem die Automatikfunktion zu überzeugen, da sie den Bedarf an manuellem Schalten deutlich reduziert und den Fahralltag spürbar entspannt. Hinzu kommt ein insgesamt hoher Fahrkomfort, der sich insbesondere auf längeren Strecken und auf gröberem Untergrund positiv bemerkbar macht.
Der größte Wermutstropfen ist sicherlich der hohe Preis von 8.299 Euro. Doch wer das Bike konsequent für seinen vorgesehenen Einsatzzweck nutzt und Freude an der besonderen Technik mitbringt, dürfte diesen Punkt verschmerzen können – vorausgesetzt, das Budget spielt mit.
Neben der Farbe unseres Testrads in Dune Matt gibt es das Clutch SUV 150.7 EQ auch in blaugrauem Slab Grey Glossy. Weitere Infos zum Bike finden sich direkt hier bei Moustache.





