Tokyobike aus Japan ist bislang vor allem für schlicht konstruierte Stadträder im klassischen Retro-Stil bekannt, die bewusst auf technische Komplexität verzichten und stattdessen auf funktionale, wartungsarme Lösungen setzen. Mit dem neuen Tokyobike Porter erweitert der Hersteller sein Portfolio nun erstmals um ein elektrifiziertes Modell und positioniert dieses als kompaktes E-Lastenrad für den urbanen Alltag – und das zu einem im Lastenrad-Segment ungewöhnlich sehr niedrigen Preis!



Auffällig ist die ungewöhnliche Laufradkombination aus 16 Zoll vorne und 20 Zoll hinten, denn erst das kleine Vorderrad ermöglicht es, die Frontplattform vergleichsweise tief und direkt über dem Rad zu positionieren. Diese Konstruktion soll insbesondere bei Beladung ein ruhiges und stabiles Fahrverhalten unterstützen, da der Schwerpunkt insgesamt niedrig gehalten wird. Die fest in den Rahmen integrierte Ladefläche misst 540 × 400 mm und ist für eine Zuladung von bis zu 50 Kilogramm ausgelegt, womit sich Einkäufe, Taschen oder kleinere Transportaufgaben im Stadtverkehr problemlos bewältigen lassen. Optisch bleibt Tokyobike seiner reduzierten Formensprache treu, kombiniert die klassische Linienführung jedoch erstmals mit moderneren Komponenten wie Scheibenbremsen, die eine zeitgemäße Verzögerung gewährleisten sollen (trotzdem sind hier nur mechanische anstatt hydraulischer Bremsen verbaut). Der Rahmen selbst ist aus Stahl gefertigt und wird in vier Farbvarianten angeboten.
Der elektrische Antrieb arbeitet mit einem Mittelmotor, der zentral im Tretlagerbereich sitzt und seine Energie aus einem abnehmbaren Rahmenakku mit einer Kapazität von 504 Wh bezieht. Angaben zum konkreten Motorhersteller macht Tokyobike nicht, ebenso hält man sich zu weiteren technischen Spezifikationen eher bedeckt. Gesteuert wird das System über ein kompaktes Bedienelement am Lenker, das sich unauffällig in das minimalistische Cockpit einfügt. Geschaltet wird über eine Shimano 3 Gang-Nabenschaltung, die auf Alltagstauglichkeit und geringen Wartungsaufwand ausgelegt ist und damit zur insgesamt pragmatischen Ausrichtung des Rads passt.

Mit einem angegebenen Leergewicht von 22,5 Kilogramm, inklusive Frontträger und Akku, fällt das Porter für ein elektrisches Lastenrad überraschend leicht aus. Dazu trägt natürlich auch die insgesamt kompakte Bauform bei, denn mit einer Gesamtlänge von nur 183 Zentimetern bewegt sich das Modell näher an klassischen Citybikes als an ausgewachsenen Long John-Transportern, was sich insbesondere beim Rangieren und Abstellen im dichten Stadtumfeld positiv bemerkbar machen dürfte.
In Japan wird das Tokyobike Porter zu einem Preis von 297.000 Yen angeboten, was aktuell umgerechnet rund 1.600 Euro entspricht – ein Preisniveau, das im europäischen Lastenradmarkt fast schon wie ein Gegenentwurf wirkt. Während hierzulande elektrische Lastenräder häufig deutlich jenseits der 4.000 Euro-Marke starten, zeigt das Porter, dass ein kompaktes, alltagstaugliches Konzept auch erheblich günstiger realisierbar sein kann. Umso bitterer ist, dass das Modell ausschließlich in Japan erhältlich ist. Zwar ist Tokyobike auch in Deutschland vertreten, doch ein Blick auf die hiesigen Preise anderer Modelle macht wenig Hoffnung: sollte das Porter irgendwann offiziell nach Europa kommen, dürfte der Preis sehr wahrscheinlich deutlich höher sein. Eigentlich schade, denn ein solches preisgünstiges und charmantes Cargobike dürfte sicherlich auch bei uns viele Interessenten ansprechen!




