Im Test: Coboc TEN Torino – Gravel E-Bike mit Commuter-Ausstattung

Schon bei seiner Vorstellung im Februar war klar, dass es sich beim Coboc TEN Torino um kein gewöhnliches Urban E-Bike handelt. Insbesondere der Rennlenker und die vergleichsweise dicke Bereifung kamen bei den Heidelbergern von Coboc bisher noch nie zum Einsatz. Und in Kombination mit der Ausstattung aus Gepäckträger, Schutzblechen und Lichtanlage ist das neue Modell auch ganz allgemein unter den erhältlichen E-Bikes ziemlich einzigartig. Sozusagen eine Mischung aus geländetauglichem Gravel-Bike und alltagstauglichem Commuter-Rad. An wen sich dieses spezielle Rad richtet und wofür es sich besonders eignet darf das Coboc TEN Torino nun hier im Test zeigen.

Cleane Optik trotz kompletter Ausstattung

Design

Das Thema Design stand bei Coboc stets im Mittelpunkt – waren diese Bikes doch wahrscheinlich die ersten, welche den elektrischen Antrieb weitgehend unsichtbar im Fahrrad verbauten (zur Erinnerung: das war Anfang 2014).

Mit den Jahren und der Ausdehnung des Sortiments kamen dann neben den cleanen und minimalistischen Singlespeed-Modellen auch solche mit Komfortausstattung wie Schutzblechen und Beleuchtung hinzu. An diesen orientiert man sich auch beim neuen Torino. Dies bedeutet: Der Rahmen an sich ist Coboc-typisch schnörkellos und beherbergt am Oberrohr das User-Interface mit seinen fünf LEDs. Das Rücklicht ist mit drei LED-Streifen Sitzrohr eingelassen – zwar schon von anderen Coboc-Modellen bekannt, aber immer noch eine ziemlich einzigartige Lösung. Ähnlich wie der integrierte Gepäckträger: dieser verläuft parallel zum Hinterrad und fällt so kaum auf; nimmt aber an jeder Seite bei Bedarf eine Gepäcktasche auf.

Abgesehen davon sind es vor allem viele kleine Details, die dem Design das gewisse Etwas geben. So ist das Cockpit mit den am Lenker verlaufenden Leitungen sehr aufgeräumt, auch am Rahmen sind diese bestmöglich integriert. Die Schutzbleche und auch der Gepäckträger sind schlicht schwarz gehalten und bilden so mit den ebenso dunklen Reifen eine optische Einheit – was sie möglichst unauffällig werden lässt. Dies lenkt den Blick auf den Rahmen mit seiner hochglänzenden Metalliclackierung in Silent Green. Ein ungewöhnlicher Farbton, der das mögliche Einsatzgebiet des Rads bestens widerspiegelt.

Fünf bündig eingelassene LEDs zeigen den Akkustand und Betriebsmodus an

Ausstattung

Wie eingangs erwähnt macht schon auf den ersten Blick der Rennlenker den Unterschied – doch nicht nur das. Die Gene eines Gravel-Bikes zeigen sich auch an der verbauten Schaltgruppe Apex 1 von Sram, welche genau für diese Gattung entwickelt wurde. Die Kettenschaltung kommt vorne mit einem Kettenblatt aus, hinten gibt es dann 11 Gangstufen mit einem riesigen 42er-Ritzel für den kleinsten, möglichst bergtauglichen, Gang. Geschaltet wird am dem rechten Bremshebel über einen separaten Schalthebel; einfaches Drücken nach links bringt den nächsthöheren Gang, durch noch eine Stufe weiter nach links drücken schaltet man herunter. Die hydraulischen Scheibenbremsen stammen ebenso aus der Apex 1-Serie und verfügen vorne wie hinten über 160mm große Bremsscheiben.

Die Lichtanlage besteht aus dem eigens konzipierten Rücklicht im Rahmen, welches sehr hell und gut sichtbar leuchtet. Gleiches kann man dem Frontscheinwerfer Mini 2 von Supernova bescheinigen, welcher zentral am Vorbau angebracht ist. Schutzbleche und Gepäckträger gehören zwar nicht zur Serienausstattung des Torino, waren am Testrad allerdings montiert. Erstere sind vom Hersteller Curana und 55 mm breit aus einer stabilen Alu-Kunststoff-Sandwichbauweise. Der Gepäckträger hingegen ist von Coboc selbst entwickelt und lässt sich ebenso abmontieren – im Unterschied zu der Ausführung an Cobocs SEVEN-Modellreihe, wo dieser mit dem Rahmen eine Einheit bildet. Die Traglast beträgt übrigens auf jeder Seite maximal 10 kg, was ziemlich alltagstauglich ist.

Beim Antrieb setzt das Torino auf bewährte Coboc-Technik: Der Nabenmotor im Hinterrad bietet der Pedelec-Norm entsprechend 250 Watt Leistung, in der Spitze sogar 500 Watt. Die Motorsteuerung erfolgt über einen Drehmomentsensor im Tretlager, was einem besonders natürlichen Fahrgefühl entspricht: tritt man stark in die Pedale wird entsprechend viel Motorleistung abgegeben. Der Akku im Unterrohr hat eine Kapazität von 352 Wh und ist in gut 2 Stunden wieder aufgeladen. Die Reichweite gibt Coboc mit 70 km bis 100 km an.

Bedienung

Auch beim Bedienungskonzept bleibt sich Coboc treu: Abgesehen von den fünf LEDs am Oberrohr sieht man auch dem Torino zunächst nicht wirklich an, dass es sich um ein E-Bike handelt. Der Schalter versteckt sich nämlich auch hier an der Unterseite des Oberrohrs, direkt neben der Ladebuchse. Aus normaler Betrachter-Position also nicht erkennbar, aber dennoch absolut einfach zu bedienen – wenn man es weiß. Die LEDs geben über die Kapazität des Akkus in 20%-Schritten Auskunft, mit einem langen Drücken des Ein-Aus-Schalters aktiviert man bei Bedarf die Beleuchtung. Weitere Informationen gibt es nicht, was aber auch nicht stört – so fährt sich das Rad im Grunde wie ein herkömmliches Fahrrad, nur eben mit einer kräftigen Unterstützung.

Wer mehr Informationen möchte, kann sein Smartphone mit der kostenlosen Coboc-App nutzen. Dort werden auch Informationen wie Geschwindigkeit, Reichweite, Motorleistung oder Akku-Temperatur angezeigt. Zudem gibt es hier ein neues Feature: Schon bisher konnte man in der App einige Antriebs-Parameter wie die Beschleunigung oder Unterstützungsstufe anpassen. Nun lassen sich dazu zwei Fahrmodi abspeichern, welche sich direkt am Rad per Knopfdruck umschalten lassen. Erkennbar wird der aktuell gewählte Fahrmodus daran, dass die Farbe der LEDs zwischen blau und grün wechselt.

Wie erwähnt ist auch die Ladebuchse an Unterseite des Oberrohrs platziert. Was zuerst unpraktisch in der Handhabung klingt, ist aber tatsächlich ein Kinderspiel: dank der magnetischen Verbindung findet der Stecker die Ladebuchse quasi von allein und rastet sauber ein. Ein denkbar einfaches System, welches dank der Position der Ladebuchse auch gut geschützt vor Einflüssen von außen ist.

Fahreindruck

Wer bisher nur gewöhnliche Fahrräder gefahren ist, dürfte beim Rennlenker zunächst an eine sportliche, gebückte und eher unbequeme Sitzhaltung denken. Doch schon auf den ersten Metern zeigt sich, dass der obere Teil des Lenkers tatsächlich fast auf Sattelhöhe positioniert ist – die Sitzposition ist dadurch ziemlich aufrecht und komfortabel. Greift man den Lenker dann unten, geht es tatsächlich sportlicher zur Sache. Allerdings ist auch diese Position keineswegs übertrieben tief und bietet einen guten Kompromiss aus einer noch gut beherrschbaren Haltung mit einem möglichst geringem Luftwiderstand. Diese Vielseitigkeit lernt man schnell zu schätzen und gewöhnt sich insbesondere auf längeren Strecken an die Möglichkeit, die Sitzposition variieren zu können.

Bremsen und Schalthebel sind übrigens von beiden Lenkerseiten (oben/unten) einfach und sicher zu bedienen. Die Apex 1-Schaltung verrichtet dabei unauffällig ihren Dienst und das große 42er Ritzel im kleinsten Gang erweist sich bei steilen Passagen als besonders nützlich. So fährt man mit dem Torino recht mühelos den Berg hinauf, obwohl diese Disziplin ja nicht unbedingt zu den Stärken eines Nabenmotors zählt. Dieser ist übrigens nicht ganz so lautlos wie andere aktuelle Motoren desselben Typs und verrichtet leicht brummend seinen Dienst. Um dies gleich zu relativieren: er arbeitet weder laut, noch störend – ist aber wahrnehmbar. Oberhalb der 25 km/h-Grenze muss sich der Motor dann eh den Pedelec-Richtlinien entsprechend abschalten, was äußerst sanft geschieht. Der Übergang ist dabei kaum spürbar und man kann nach Kräften weiter beschleunigen.

Die Reifen vom Typ Schwalbe G-One Speed sind mit ihrer Dimension 27.5″ x 2.00″ ziemlich breit und lassen sich auch mit eher niedrigem Luftdruck fahren, wodurch Unebenheiten im Untergrund leichter ausgeglichen werden. Mit ihren feinen Noppen und der verstärkten Pannensicherheit machen sie das Rad geradezu prädestiniert für Wege abseits geteerter Straßen und fühlt sich auf Schotterpisten oder befestigten Waldwegen pudelwohl.

Das gemessene Gewicht des Torino-Testrads liegt bei Rahmengröße L inklusive Schutzblechen und Gepäckträger bei 15,9 kg. Ohne die abnehmbaren Schutzbleche und Gepäckträger dürfte das Gewicht dann auf 14,5 kg sinken, was Coboc auch auf der Website nennt. Für ein E-Bike mit dieser Komplettausstattung ein sehr guter Wert, was auch zum agilen Fahrverhalten des Rads beiträgt. Stichwort „tragen”: Treppenstufen sind somit auch kein wirkliches Problem, das Rad lässt sich durch das geringe Gewicht bei Bedarf gut hochheben.

Sportlich straff kommt der perforierte Sattel daher, fährt sich aber nicht unbequem und dürfte für viele Nutzer so passen. Eine weitere Coboc-Eigenentwicklung sind außerdem die CNC-gefrästen Pedale aus Aluminium, welche einen guten Grip bieten. Deren solides und kantiges Design bemerkt man übrigens spätestens dann, wenn man beim Schieben des Rads mit kurzen Hosen an eines der Pedale stößt. Nach kurzer Eingewöhnung achtet man dann automatisch auf einen ausreichenden Abstand 😉

Gravel-Commuter-Allzweckwaffe: das Coboc TEN Torino

Fazit

Wer regelmäßig auch abseits geteerter Straßen pendelt, dabei ein alltags- und allwettertaugliches Rad benötigt und zudem nicht auf gutes Design verzichten will, könnte hier sein Traumrad gefunden haben. Das leichte Coboc TEN Torino ist für fast alle Gegebenheiten gerüstet und fährt sich dank des Rennlenkers nicht nur sportlich sondern auch überraschend komfortabel. Diese Vielseitigkeit zeigt sich auch in der am Testrad verbauten Ausstattung, welche mit integrierter Lichtanlage, Schutzbleche und Gepäckträger für so ziemlich alle Aufgaben gerüstet ist.

Warum allerdings die beiden Letztgenannten zur Sonderausstattung gehören, ist nicht ganz nachvollziehbar – gerade diese Teile machen das Rad in seinem Gesamtpaket so interessant. Abgesehen von einer Klingel und gegebenenfalls einem Ständer bietet das Rad so nämlich eine komplette und absolut alltagstaugliche Pendler-Ausstattung. Der Preis von 4.999 Euro (ohne genannte Sonderausstattung) hat es in sich, überrascht aber bei den eher hochpreisigen Rädern von Coboc auch nicht wirklich. Dafür erhält man jedoch solide Komponenten gepaart mit einer guten Verarbeitung, viel Fahrspaß und einer ganzen Menge Uniqueness.

Alle Informationen zum TEN Torino gibt es auf der Website von Coboc.

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