Mit herausnehmbarem Motor und Akku

Sportliches Urban E-Bike für Pendler: Das Commuter:ON 7 von Canyon im Test

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Mit sportlichen Urban Bikes für Pendler ist seit diesem Jahr die Commuter:ON Modellreihe von Canyon am Start. Außergewöhnlich ist dabei vor allem der elektrische Antrieb: so setzt man auf das herausnehmbare und recht leichte System von Fazua. Doch gibt es noch weit mehr an interessanten Features zu entdecken – höchste Zeit also für einen ausführlichen Test!

Aufgeräumte Optik trotz umfangreicher Ausstattung: Canyon Commuter:ON 7

Design

Wo sind hier die Kabel? Was ja schon bei einigen Bikes aus diesem Jahrgang zu sehen ist, bringt Canyon beim Commuter:ON auf den Punkt: Schaltzüge, Bremsleitungen und das Stromkabel des Scheinwerfers verschwinden durch eine mittige Öffnung am Lenker und werden dann durch den Vorbau in den Rahmen geleitet. Der vordere Teil des Bikes wirkt extrem aufgeräumt, der Blick auf das recht breite und hohe Steuerrohr des Rahmens wird somit durch nichts gestört. In Kombination mit den (nur im vorderen Bereich) glatt verschliffenen Schweißnähten und der formal perfekt passenden Carbon-Gabel wirkt das Rad wie aus einem Guss.

Zum Test rollte das Commuter:ON 7 in der Variante mit matt-schimmerndem, champagnerfarbenem Rahmen an. Ein schicker Farbton, der je nach Lichteinfall zwischen einem blassem Gold und kühlem Grau changiert. Als Kontrast dazu sind alle Anbauteile konsequent in mattem schwarz gehalten, was den Look des Rahmens nochmals betont.

Die Lichtanlage ist angenehm unauffällig verbaut, gleiches gilt für den elektrischen Antrieb: dieser sitzt zusammen mit einem kompakten Bedienelement im Unterrohr und fällt dort von außen kaum auf. Dezenter könnte eigentlich nur der Gepäckträger sein – anstatt seitlicher Haltestreben für Gepäcktaschen hat Canyon hier einen „richtigen“ Gepäckträger verbaut, der sich auch von oben beladen lässt und zudem einige Haltepunkte bietet. Immerhin: vielseitiger ist diese Lösung allemal.

Ohne störende Kabel und Leitungen: Rahmen und Gabel wirken wie aus einem Guss

Ausstattung

Wie schon angesprochen setzt Canyon auf den elektrischen Antrieb von Fazua: dabei handelt es sich um einen recht kompakten Mittelmotor, welcher zusammen mit dem Akku im Unterrohr positioniert ist. Beides zusammen bildet das sogenannte DrivePack, welches an einem Stück aus dem Rahmen entnommen werden kann. Der Akku hat dabei eine Kapazität von 250 Wh, der Motor bietet ein maximales Drehmoment von 55 Nm. Und dank des recht leichten Antriebs kommt das Commuter:ON 7 dann auch auf ein vergleichsweise geringes Gesamtgewicht von 17,8 kg (gewogen in Größe L).

Als Schaltung kommt Shimanos XT-Modellreihe mit 12 Gängen zum Einsatz. Eine hochwertige Kettenschaltung, die insbesondere durch ihre riesige Bandbreite besticht: so bietet die Kassette eine enorme Spreizung von 10 bis 51 Zähnen, womit von steilen Anstiegen bis zum schnellen Fahren in der Ebene alles abgedeckt wird. Für die Verzögerung sorgen dann hydraulische Scheibenbremsen vom Typ MT200, ebenso von Shimano.

Die fest verbaute Lichtanlage wird vom Akku des E-Antriebs mit Strom versorgt und besteht vorne aus einem ultra-kompakten Scheinwerfer von Lightskin, welcher mutmaßlich die gleiche Linse wie im Lightskin-Lenker verbaut hat. Hinten setzt man auf das bewährte Rücklicht von Supernova, das fest mit dem stabilen Wingee-Metallschutzblech verbunden ist. Von Schwalbe stammt die 40 mm breite Bereifung mit dem Modell G-One, die Ausstattung komplett machen dann der bereits erwähnte Gepäckträger und die minimalistische Knog Oi-Klingel.

Bedienung

Eine unauffällige Integration der elektrischen Komponenten soll der Fazua-Antrieb ermöglichen, was auch augenscheinlich funktioniert. Dem entsprechend verzichtet man auf ein auffälliges Display am Lenker, stattdessen gibt es nur einen kompakte Taster am Unterrohr. Mit diesem lässt sich der Antrieb ein- und ausschalten, man kann den Fahrmodus einstellen und zudem wird der Akkustand in 20%-Schritten angezeigt. Interessant hierbei ist, dass sich diese Anzeige der verbleibenden Akkukapazität dynamisch mit dem jeweils gewählten Fahrmodus anpasst. Bei starker Unterstützung wird einem also weniger Reichweite angezeigt als bei schwacher Unterstützungsstufe.

Breeze, River und Rocket nennen sich die drei verfügbaren Fahrstufen des Antriebs, wobei Breeze die niedrigste und Rocket die höchste Stufe ist. Beide geben die Leistung eher linear ab und unterscheiden sich damit von der River-Fahrstufe, welche die Unterstützung mehr in Abhängigkeit von der Trittkraft leistet: Je kräftiger man in die Pedale tritt, desto stärker unterstützt dann der Motor. Visuell unterscheiden sich die drei Fahrmodi am Taster durch unterschiedliche Farben der LED-Beleuchtung, welche in ihrer Leuchtstärke übrigens ganz clever mittels eines Helligkeitssensors an das Umgebungslicht angepasst wird.

Dass man von dieser Beleuchtung aber – ganz egal bei welcher Helligkeit – nur wenig sieht, liegt an der Position des Tasters am Unterrohr. Dort wird dieser aus der Perspektive des Fahrers bzw. der Fahrerin komplett vom Oberrohr verdeckt und ist nur dann zu erkennen, wenn man bewusst von der Seite nach unten schaut. Erschwerend kommt hinzu, dass der Taster berührungsempfindlich ist und keinen spürbaren Druckpunkt beim Wechsel des Fahrmodus bietet. Dem entsprechend wird ein Druck auf den Taster nicht immer korrekt erkannt und man muss sich mit einem erneuten Blick nach unten vergewissern, ob denn nun der gewünschte Fahrmodus eingestellt ist. Eine etwas komplizierte Bedienung – allerdings sollte man bedenken: hat man den für sich den passenden Fahrmodus gefunden, wird man sicherlich nicht ständig zwischen den verschiedenen Modi hin und her wechseln.

Zum herausnehmen des DrivePack mit dem Akku muss man dieses per Schlüssel aufschliessen, danach mit einem Griff entriegeln und nach unten entnehmen. Dabei muss aber auch das Vorderrad eingelenkt werden, was das Ganze dann zu einer etwas wackeligen Angelegenheit werden lässt. Schade deshalb, dass Canyon – angesichts der ansonsten kompletten Ausstattung – nicht gleich einen Fahrradständer am Rad verbaut hat. Wer übrigens eine Lademöglichkeit in direkter Nähe zum Fahrrad hat, kommt um diesen Prozess trotzdem nicht umhin: eine direkte Aufladung des Akkus im Rahmen des Bikes ist leider nicht möglich.

Wie heutzutage üblich, bietet auch Fazua eine passende App an, welche sich per Bluetooth mit dem Antriebssystem verbindet. Damit lassen sich aktuelle Fahrdaten anzeigen, ebenso dient die App zum Tracking und zur GPS-Navigation (wobei dies über das Smartphone abläuft, der Antrieb selbst hat kein GPS-Modul).

Fahreindruck

Hier kommen wir nun zur Paradedisziplin des Commuter:ON, bei der das Rad voll und ganz überzeugen kann. So verrichtet der elektrischen Antrieb von Fazua einerseits sehr leise (auch unter Last), anderseits aber auch kraftvoll seinen Dienst. Zur Einschätzung: Im Vergleich zu anderen Bikes dieser Gewichtsklasse geht der Motor spürbar stärker zu Werke. Im Vergleich zu klassischen Mittelmotoren bietet er hingegen weniger Power, allerdings sind diese Bikes dann oftmals deutlich schwerer. Doch gerade die Kombination aus recht leichtem Gewicht und ausreichend starkem Antrieb machen das Commuter:ON zu einem agilen und sportlich zu fahrenden Urban Bike, welches auch an steilen Anstiegen genügend Unterstützung bietet.

Zu Gute kommt dem Antrieb am Berg natürlich auch die Schaltung mit ihrem gewaltigen Übersetzungsbereich. Shimanos XT arbeitet nicht nur sehr präzise und ohne großen Kraftaufwand sondern bietet auch so große Reserven, dass man selbst an steilen Anstiegen oft auf den kleinsten Gang verzichten kann! Anderseits lässt sich das Rad in der Ebene auch mühelos weit über die 25 km/h Grenze des E-Antriebs bewegen, ohne dass die Trittfrequenz unangenehm hoch werden würde. Das Ab- und Anschalten des Motors geschieht dabei übrigens sehr sanft und unterbrechungsfrei.

Die Angaben zur Reichweite schwanken aktuell auf Canyons Website zwischen 75 km und 120 km – letztgenannter Wert dürfte aber sehr optimistisch sein, bei dem wohl viele Kilometer mit niedriger Unterstützung oder mit einem Tempo oberhalb von 25 km/h (und somit ganz ohne aktiven E-Antrieb) einkalkuliert sind. Wer den Antrieb jedoch häufig (Stop-and-Go in der Stadt) und in der höheren Unterstützungsstufe nutzt, sollte tatsächlich mit einem realistischen Wert von um die 75 km rechnen.

Als Direktvermarkter setzt man sich bei Canyon intensiv mit dem Thema Ergonomie auseinander, schon alleine um unnötige Retouren zu vermeiden. So achtet man besonders darauf, die Geometrie von Rahmen und zugehörigen Komponenten wie Sattel, Vorbau und Lenker für möglichst für viele FahrerInnen derselben Körpergröße passend zu wählen. Und in der Tat passt das Test-Bike in Größe L für mich als 1,85 m großen Fahrer ausgezeichnet. Die Sitzposition ist dabei ein guter Kompromiss aus Komfort und Sportlichkeit. Gleiches gilt für den Lenker, der mit rund 62 cm Breite und leichter Biegung nach hinten (Backsweep) eine angenehme Haltung ermöglicht. Gut so, denn durch die Lenker-Vorbau-Einheit mit integrierten Leitungen lassen sich weder Lenker noch Vorbau nachträglich anpassen bzw. austauschen. Immerhin bietet Canyon aber die Option den Vorbau um 10 mm in der Höhe zu verstellen.

Für ein Plus an Komfort sorgen die Ergo-Griffe von Ergon am Lenker, welche ein abknicken des Handgelenk nach unten verhindern. Der Sattel kommt von Canyon selbst und ist mit 13 cm recht schmal, dafür aber überraschend bequem. Auch die Reifen sind mit 40 mm ausreichend breit, um Schlaglöcher oder andere Unebenheiten etwas abzufedern. Dank ihrer feinen Noppen bieten sie zudem auf rutschigem Untergrund wie Schotter genügend Halt, lassen sich aber auch auf Asphalt schnell bewegen.

Unauffällig aber sicher verrichten die Bremsen ihren Dienst, gleiches gilt für die Lichtanlage. Erstaunlich ist dabei der winzige Scheinwerfer: trotz seiner kompakten Abmessungen bietet er durchaus genügend Licht, um auch etwas sehen zu können – und nicht nur gesehen zu werden.

Dank des herausnehmbaren DrivePack lässt sich das Commuter:ON übrigens auch ohne elektrischen Antrieb nutzen. Als „Commuter:OFF“ wiegt das Bike dann nur noch 14,5 kg und lässt sich wie ein gewöhnliches Fahrrad benutzen. Die Öffnung der am Unterrohr lässt sich mit einer optionalen Blende verschliessen (welche allerdings zusätzliche 400 g wiegt), zudem muss man dann aufgrund fehlender Stromversorgung auf die Beleuchtung verzichten.

Es darf auch mal Champagner sein: Canyons Commuter:ON 7 schimmert in der gleichnamigen Farbe

Fazit

Viel Licht und ein wenig Schatten: In Summe überzeugt Canyons Commuter:ON auf ganzer Linie als sportliches Urban Bike mit kompletter Ausstattung für Pendler. Dank des vergleichsweise geringen Gewichts fährt sich das E-Bike dabei angenehm agil und die verbaute Schaltung bietet für fast alle Strecken genügend Reserven. Ausstattung und Verarbeitung sind hochwertig und Features wie das aufgeräumte Cockpit machen das Bike zum Hingucker. Auch der Motor überzeugt mit leiser Arbeitsweise und genügend Power – einzig bei der Bedienung des Antriebs muss man die genannten Einschränkungen hinnehmen. Gleiches gilt für die Tatsache, dass der Akku nicht direkt im Bike aufgeladen werden kann.

Anderseits ist gerade diese Möglichkeit, den Akku zum aufladen herausnehmen zu können, ein wirkliches Alleinstellungsmerkmal unter den leichten E-Bikes. Wer sein Rad nicht immer in die Wohnung schleppen kann oder will, findet hier die Lösung. Ebenso interessant scheint die Option, ganz ohne dem DrivePack fahren zu können – aber Hand aufs Herz: meistens dürfte man trotzdem gerne den 3,4 kg leichten E-Antrieb mitschleppen, da das Fahren mit elektrischer Unterstützung doch deutlich mehr Fahrspaß bietet!

Mit einem Preis von 3.299 Euro liegt das Commuter:ON 7 – gemessen an seiner Ausstattung und der guten Gesamtqualität – absolut im Rahmen. Wie bei Canyon üblich, lassen sich die Bikes nur über den Webshop auf Canyons Website bestellen. Dort gibt es das getestete Rad auch in der Farbe Dark Navy, zudem als Variante mit Komfortrahmen in Trapezform.

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